Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der User Experience für das System ABIDAT BACHELOR THESIS Juni 2024 Autor Hulliger, Roman Betreuungsperson Dr. Schmutz, Peter Praxispartner*in Identitas AG Schluep, Christian Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT Abstract Der Identitas AG fehlen Erfahrungsberichte von TierhalterInnen zur Antibiotikadatenbank ABIDAT. Das Ziel der vorliegenden Bachelorarbeit ist es, Empfehlungen zur Verbesserung der User Experience von ABIDAT zu erarbeiten. Dazu wurden moderierte Remote-Usability-Tests durchgeführt und eine Umfrage erstellt. Die Ergebnisse legen nahe, dass ein höherer Antibiotikaverbrauch von TierhalterInnen mit einem grösseren Bekanntheitsgrad und einem stärkeren Bedürfnis einhergeht, ABIDAT zu verwenden. Ausserdem deuten die Ergebnisse darauf hin, dass wenig Bedarf für eine ABIDAT-App und ebenfalls für eine Integration des Systems in die TVD besteht. Der überzeugendste Faktor, weshalb die TierhalterInnen ABIDAT zukünftig verwenden wollen, sind die Vergleichsdaten. ABIDAT wird von den TierhalterInnen vor allem für sporadische Auswertungen oder punktuelle Untersuchungen verwendet. Manche Aussagen deuten darauf hin, dass das Bewusstsein für die gesellschaftlichen Folgen einer erhöhten Antibiotikanutzung bei einigen TierhalterInnen noch ausbaufähig ist. Zusammen mit einem gewissen Misstrauen gegenüber Anwendungen von Bundesbetrieben beeinträchtigt dies die User Experience von ABIDAT. Mithilfe der Usability-Tests wurde festgestellt, dass die Diagramme von ABIDAT überarbeitet werden müssen, da sie für die TierhalterInnen schwer zu verstehen sind. In Bezug auf die Usability von ABIDAT konnten ausserdem diverse weitere Handlungsempfehlungen erarbeitet werden, die auf anerkannten Richtlinien beruhen. Nachdem die Handlungsempfehlungen implementiert werden, sollte ein zweiter Durchgang mit Usability-Tests durchgeführt werden, um verbleibende Usability-Probleme zu identifizieren. Da die Umfrage im Rahmen dieser Arbeit nicht durchgeführt wurde, sollten die Ergebnisse, die nicht die Usability von ABIDAT betreffen, quantitativ überprüft werden. Zeichenzahl Bericht: 122’149 Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT Inhaltsverzeichnis Einleitung ................................................................................................................................. 1 Ausgangslage ........................................................................................................................ 1 Zielsetzung und Fragestellungen .......................................................................................... 1 ABIDAT ........................................................................................................................ 2 Definition und Beschreibung des Systems. ........................................................... 2 Abgrenzung der Schnittstellen. ............................................................................. 2 Beschreibung der Grundgesamtheit der potenziellen NutzerInnen....................... 3 Abgrenzung ........................................................................................................................ 3 Aufbau der Arbeit ................................................................................................................. 3 Theoretische Fundierung .......................................................................................................... 4 Definition wichtiger Begriffe ............................................................................................... 4 Mensch-Maschine-Systeme. ................................................................................. 4 Usability. ............................................................................................................... 4 User Experience. ................................................................................................... 5 Evaluation der User Experience ........................................................................................... 5 Usability-Testing. .................................................................................................. 6 Richtlinien und Heuristiken. ................................................................................. 7 Methodik .................................................................................................................................. 8 Literaturrecherche ................................................................................................................. 8 Usability-Test ....................................................................................................................... 8 Sampling. .............................................................................................................. 9 Testaufgaben. ...................................................................................................... 10 Pre-Test-Interview. .............................................................................................. 10 Durchführung. ..................................................................................................... 11 System Usability Scale. ....................................................................................... 11 Post-Test-Interview. ............................................................................................ 12 Auswertung. ........................................................................................................ 12 Quantitative Erhebung ........................................................................................................ 14 Sampling. ............................................................................................................ 14 Fragebogenerstellung. ......................................................................................... 14 Ergebnisse .............................................................................................................................. 15 Usability-Tests .................................................................................................................... 15 Aufgabe 1. ........................................................................................................... 15 Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT Login erfolgreich. ........................................................................................... 15 Weiterleitung auf die Tierverkehrsdatenbank. ............................................... 15 Aufgabe 2. ........................................................................................................... 15 Arbeitsfokus erfolgreich ausgewählt. ............................................................. 16 Schwierigkeiten beim Finden der Dropdownliste. ......................................... 16 Abbruch der Suche. ........................................................................................ 16 Aufgabe 3. ........................................................................................................... 16 Antibiotikaverschreibungen zum Stichtag erfolgreich abgefragt. .................. 16 Schwierigkeiten bei Filterung und Datumseingabe. ................................... 17 Aufgabe 4. ........................................................................................................... 18 Einträge mit Engemycin erfolgreich abgefragt. ............................................. 19 Aufgabe 5. ........................................................................................................... 19 Liste erfolgreich erstellt, findet Informationen zum Wirkstoff jedoch nicht. 20 Schwierigkeiten bei der Suche nach Wirkstoffen........................................... 20 Abbruch der Suche. ........................................................................................ 21 Aufgabe 6. ........................................................................................................... 22 Excel-Export erfolgreich erstellt. ................................................................... 22 Präzisionsproblem bei der Suche. ................................................................... 22 Präzisionsproblem bei der Suche löst Irritation aus. ...................................... 23 Abbruch der Suche. ........................................................................................ 23 Aufgabe 7. ........................................................................................................... 24 Balkendiagramm erfolgreich erstellt. ............................................................. 25 Tabs: Anzahl Verschreibungen- und Anzahl Tierbehandlungen. .................. 25 Schwierigkeiten beim Finden und Erstellen des Balkendiagramms. ............. 25 Möglichkeit zur Erstellung des Balkendiagramms nicht gefunden. ............... 26 Aufgabe 8. ........................................................................................................... 26 Kritische Antibiotika erfolgreich im Diagramm abgelesen. ........................... 27 Schwierigkeiten bei der Interpretation der Menge im Tooltip. ...................... 28 Aufgabe 9. ........................................................................................................... 28 Vergleichsdaten für Schweine erfolgreich interpretiert. ................................. 28 Interpretation benötigt Zeit. ............................................................................ 29 Interpretiert das Diagramm falsch. ................................................................. 29 Aufgabe 10. ......................................................................................................... 30 Signalwert erfolgreich interpretiert. ............................................................... 31 Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT Diagramm nicht auf Anhieb verstanden. ........................................................ 31 Diagramm nicht richtig interpretiert. .............................................................. 31 Aufgabe 11. ......................................................................................................... 32 Zeitlicher Verlauf des TBI erfolgreich interpretiert. ...................................... 33 Eintrag in der Dropdownliste nicht sofort auffindbar. ................................... 33 Schwierigkeiten bei der Aufgabenbewältigung. ............................................. 34 Diagramm zeitlicher Verlauf des TBI nicht gefunden. .................................. 34 SUS ...................................................................................................................... 35 Post-Test-Interview............................................................................................................. 37 Testaufgaben. ...................................................................................................... 37 Meinungen zu Funktionen. .................................................................................. 38 Eingeschätzte Zielgruppe. ................................................................................... 38 Misstrauen. .......................................................................................................... 38 Ideen für neue Funktionen. ................................................................................. 39 Integration in TVD. ............................................................................................. 39 ABIDAT-App. .................................................................................................... 40 Antibiotika im Fokus. .......................................................................................... 40 Diskussion .............................................................................................................................. 41 Schlussfolgerung der Ergebnisse und Beantwortung der Fragestellungen......................... 41 Handlungsempfehlungen Usability .................................................................................... 43 Login und Arbeitsfokus. ...................................................................................... 43 Login. .............................................................................................................. 43 Funktionale Navigation. ................................................................................. 43 Tab: Verschreibungen. ........................................................................................ 43 Filterfunktion. ................................................................................................. 43 Excel-Export. .................................................................................................. 44 Grid. ................................................................................................................ 45 Suche einschränken. ....................................................................................... 45 Tab: Verlauf. ....................................................................................................... 46 Datumseingabe. .............................................................................................. 46 Tabs. ............................................................................................................... 46 Diagramme. .................................................................................................... 46 Übergeordneter Tab. ....................................................................................... 46 Tab: Vergleichsdaten. ......................................................................................... 46 Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT Diagramm TBI: Einzelne Jahre. ..................................................................... 46 Diagramm TBI: Zeitlicher Verlauf. ................................................................ 48 Reflexion und Ausblick ...................................................................................................... 49 Literaturverzeichnis ................................................................................................................ 50 Tabellenverzeichnis ................................................................................................................ 53 Abbildungsverzeichnis ........................................................................................................... 53 Anhang A ............................................................................................................................... 56 Anhang B ................................................................................................................................ 63 Anhang C ................................................................................................................................ 64 Anhang D ............................................................................................................................... 65 Anhang E ................................................................................................................................ 67 Anhang F ................................................................................................................................ 68 Anhang G ............................................................................................................................... 70 Anhang H ............................................................................................................................... 77 Anhang I ................................................................................................................................. 82 Anhang J ................................................................................................................................. 83 Anhang K ............................................................................................................................... 87 Anhang L ................................................................................................................................ 88 Anhang M ............................................................................................................................... 89 Anhang N ............................................................................................................................... 90 Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 1 Einleitung Ausgangslage Antibiotika spielen eine wesentliche Rolle bei der Behandlung bakterieller Erkrankungen (BLV, 2023). Durch ihre breite Anwendung verlieren Antibiotika jedoch immer häufiger ihre Wirkung, da die Bakterien resistent werden (BLV, 2023). Um dem entgegenzuwirken, wurde die nationale Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR) verabschiedet (StAR, 2023). Als eine der Umsetzungsmassnahmen tragen seit 2019 TierärztInnen ihre Antibiotikaverschreibungen im Informationssystem Antibiotika in der Veterinärmedizin (IS ABV) ein (BLV, 2024). Auf der Antibiotika-Datenbank (ABIDAT), die von der Identitas AG im Auftrag des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) entwickelt wurde, haben TierhalterInnen von Nutztieren seit März 2022 die Möglichkeit, ihre Daten auf IS ABV einzusehen (BLV, n. d.). Da der Identitas AG keine fundierten Erfahrungsberichte von BenutzerInnen des Produktes vorliegen, ist das Unternehmen daran interessiert zu erfahren, wie es um den Bekanntheitsgrad von ABIDAT steht, auf welche Weise das Produkt verwendet wird, wie gross der generelle Nutzungsbedarf ist und wie häufig TierhalterInnen das System verwenden. Zudem möchte die Identitas AG erfahren, ob die TierhalterInnen eine ABIDAT- App begrüssen würden und wie sie zu einer Integration des Produktes in die Tierverkehrsdatenbank (TVD) stehen. Die TVD ist das Erfassungssystem von Klauentieren, Equiden und Geflügel, das von der Identitas AG im Auftrag des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) betrieben wird (BLW, 2019). Zielsetzung und Fragestellungen Die vorliegende Bachelorarbeit hat das Ziel, Antworten auf die offenen Fragen der Identitas AG zu finden und aufzuzeigen, wo Verbesserungspotenzial bei der User Experience (UX) von ABIDAT besteht. Dementsprechend soll mithilfe von moderierten Remote-Usability-Tests und quantitativen Befragungen folgende Hauptfragestellung beantwortet werden: Welche Handlungsempfehlungen lassen sich anhand moderierter Usability-Tests und quantitativer Befragungen für die Verbesserung der UX für das System ABIDAT ableiten? Die Usability-Tests dienen dabei primär der Beantwortung der folgenden untergeordneten Fragestellung: Welche Handlungsempfehlungen lassen sich für die Verbesserung der Usability für das System ABIDAT identifizieren? Die quantitative Befragung soll Antworten auf folgende Unterfragestellungen liefern: (a) Wie bekannt ist ABIDAT unter TierhalterInnen? (b) Welches Interesse besteht bei Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 2 TierhalterInnen, ABIDAT zu nutzen? (c) Wie regelmässig verwenden TierhalterInnen ABIDAT? (d) Wie stehen TierhalterInnen einer ABIDAT-App gegenüber? (e) Wie stehen TierhalterInnen einer Integration von ABIDAT in die TVD gegenüber? ABIDAT ABIDAT soll es den TierhalterInnen ermöglichen, ihre eigenen Aufzeichnungen im Behandlungsjournal mit den Einträgen auf IS ABV abzugleichen. ABIDAT kann auch dazu verwendet werden, zu überprüfen, inwiefern sich betriebliche Interventionen auf den Antibiotikaverbrauch auswirken. Hierzu können grafische Auswertungen erstellt werden, die Auskunft über die Menge und Anzahl der eingesetzten Medikamente über einen gewissen Zeitraum geben. Schliesslich kann auf ABIDAT eingesehen werden, ob sich der eigene Antibiotikaverbrauch im Normalbereich befindet oder ob dieser überschritten wurde. Definition und Beschreibung des Systems. Die Benutzungsoberfläche von ABIDAT gliedert sich in vier Bereiche, die durch die übergeordneten Tabs im oberen Bereich der Seite erreichbar sind. Im Tab Übersicht finden die TierhalterInnen Informationen, die für das Verständnis des Systems wichtig sind. Im Tab Verschreibungen können detaillierte Informationen zu den Medikamenten abgerufen werden, die auf dem jeweiligen Betrieb zum Einsatz kamen. Im nächsten Tab Verlauf können zeitliche Auswertungen in Form von Säulendiagrammen erzeugt werden, die unter anderem auch den Einsatz von kritischen Antibiotika anzeigen. Im letzten Tab Vergleichsdaten besteht die Möglichkeit einzusehen, wie sich der eigene Antibiotikaverbrauch im schweizerischen Vergleich verhält. Dies wird anhand des Tierbehandlungsindex (TBI) errechnet. Dieser gibt an, wie viele Tage ein Tier einer Nutzungsart durchschnittlich mit Antibiotika behandelt wurde. Im Anhang A ist die Benutzungsoberfläche von ABIDAT detaillierter beschrieben. Abgrenzung der Schnittstellen. Abbildung 1 zeigt die Schnittstellen von ABIDAT. Das System wird über das von ISCeco betriebene Portal Agate erreicht, womit die TierhalterInnen die Möglichkeit haben, mit einem einzigen Login auf eine Vielzahl von landwirtschaftlichen Anwendungen zuzugreifen (BLW, 2023; Information Service Center WBF, n. d.). Eine nennenswerte Anwendung, die neben ABIDAT mit dem Portal erreicht werden kann, ist die bereits erwähnte TVD. Die Daten auf ABIDAT stammen von IS ABV und können von den TierhalterInnen nicht mutiert werden. Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 3 Abbildung 1. Schnittstellen von ABIDAT (eigene Darstellung) Beschreibung der Grundgesamtheit der potenziellen NutzerInnen. Neben NutztierhalterInnen mit einem auf der TVD aktiven Betrieb haben auch TierärztInnen, die kantonalen Vollzugsbehörden und das BLV Zugriffsrechte auf ABIDAT. Abgrenzung Obwohl sie in der theoretischen Fundierung erwähnt wird, wird im Rahmen dieser Arbeit keine heuristische Evaluation im klassischen Sinne durchgeführt. Die Richtlinien und Heuristiken dienen lediglich zur Begründung der Handlungsempfehlungen, die in der Diskussion vorgestellt werden. Weiter handelt es sich beim Sampling der Usability-Tests ausschliesslich um deutschsprachige Testpersonen. TierhalterInnen aus anderssprachigen Kantonen wurden aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse des Autors nicht berücksichtigt. Ebenfalls wurden weder MitarbeiterInnen der kantonalen Veterinärämter noch TierärztInnen für die Usability-Tests engagiert. Der Fokus dieser Arbeit liegt ausschliesslich auf den NutztierhalterInnen. Aufbau der Arbeit Die vorliegende Arbeit gliedert sich in fünf Abschnitte. Im Anschluss an die Einleitung folgt die theoretische Fundierung, in welcher wichtige Begriffe und Konzepte vorgestellt werden, die für das Verständnis der Thematik und der verwendeten Methoden wichtig sind. Im dritten Abschnitt, der Methodik, werden das Vorgehen und die gewählten Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 4 Methoden erläutert. Im darauffolgenden Abschnitt, den Ergebnissen, werden die Ergebnisse der Erhebung beschrieben. Im letzten Abschnitt, der Diskussion, werden die Fragestellungen beantwortet, die Erkenntnisse diskutiert und daraus Handlungsempfehlungen abgeleitet. Zudem wird das Vorgehen kritisch reflektiert, Limitationen werden erörtert und ein Ausblick für weiterführende Arbeiten gegeben. Theoretische Fundierung Definition wichtiger Begriffe Die Begriffe, die nachfolgend erläutert werden, dienen zum besseren Verständnis der Thematik der vorliegenden Arbeit. Ein Glossar mit Begrifflichkeiten zur Benutzungsoberfläche befindet sich im Anhang B (Microsoft, 2021a, 2021b, 2021c, 2022a, 2022b, 2023a, 2023b, n. d; Moser, 2012). Mensch-Maschine-Systeme. Ein Mensch-Maschine-System zeichnet sich durch das Zusammenwirken eines oder mehrerer Menschen mit einem technischen System aus (Johannsen, 1993; Kötter, 2022). Entsprechende technische Systeme sind unter anderem Fahrzeuge, Kommunikationssysteme, Roboter oder Bürosysteme (Johannsen, 1993). Gemäss Johannsen (1993) haben alle Mensch-Maschine-Systeme gemeinsam, dass deren Wechselwirkung zwischen Mensch und Maschine in allen Fällen der bestmöglichen Erfüllung vorgegebener Ziele dient. Der Begriff wurde in den 1940er-Jahren geprägt, als der Computer gerade erst erfunden worden war (Kötter, 2022). Forschung zu Mensch-Maschine- Systemen befasste sich schon früh zum einen mit den technischen Herausforderungen auf der Seite der Maschine und zum anderen mit der Gestaltung der Bedienungselemente und Anzeigen für einen sach- und fachgerechten Umgang des Menschen mit den von ihm zu steuernden Systemen (Kötter, 2022). Das Zusammenwirken von Mensch und System wird auch als Mensch-Maschine-Interaktion bezeichnet (Heinecke, 2012). Usability. Usability bedeutet auf Deutsch Benutzbarkeit, Benutzungsfreundlichkeit oder Gebrauchstauglichkeit und beschreibt, wie leicht sich ein Produkt benutzen lässt (Moser, 2012; Nestler & Richter, 2022; Richter & Flückiger, 2016; Stumpp, Willems & Michelis, 2022). Der Begriff bezieht sich auf alle Systeme, mit denen Menschen interagieren können (Nielsen, 1993). Usability wird manchmal als Gütekriterium für die Gestaltung von Benutzungsoberflächen verstanden (Richter & Flückiger, 2016). Jedoch ist es wichtig zu verstehen, dass sie kein eindimensionaler Faktor ist, sondern abhängig davon ist, welche BenutzerInnen das Produkt in welchem Umfeld nutzen und welche Aufgabe sie dabei tätigen (Moser, 2012; Richter & Flückiger, 2016). Entsprechend definiert die Internationale Organisation für Standards (ISO) den Usability-Begriff als das Ausmass, in dem ein System Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 5 von bestimmten BenutzerInnen verwendet werden kann, um bestimmte Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend in einem bestimmten Nutzungskontext zu erreichen (ISO, 2018). Effektiv meint hierbei die Genauigkeit und Vollständigkeit, mit der die BenutzerInnen bestimmte Ziele erreichen (ISO, 2018). Die Effizienz beschreibt die Angemessenheit der eingesetzten Ressourcen im Verhältnis zu den erzielten Ergebnissen. Als Beispiele für solche Ressourcen können hier Zeit, menschlicher Einsatz, Kosten und Material genannt werden (ISO, 2018). Zufriedenstellend ist der Faktor, der das Ausmass beschreibt, in dem die physischen, kognitiven und emotionalen Reaktionen, die sich aus der Nutzung eines Systems ergeben, den eigenen Bedürfnissen und Erwartungen entsprechen (ISO, 2018). Die Kernfrage der Usability lautet: Können die BenutzerInnen eines Produkts zufriedenstellend ihre Absicht bzw. ihr Ziel erreichen? (Peinert-Elger & Magerhans, 2023). User Experience. User Experience (UX) heisst auf Deutsch Nutzendenerlebnis (Moser, 2012; Peinert-Elger & Magerhans, 2023). Während sich die Usability auf die tatsächliche Nutzung bezieht, umfasst die User Experience auch Effekte, die ein Produkt bereits vor oder nach der Nutzung auf die BenutzerInnen hat (Richter & Flückiger, 2016). Die Usability ist daher als Teil der UX zu verstehen (Peinert-Elger & Magerhans, 2023). Die ISO beschreibt User Experience als „Wahrnehmungen und Reaktionen einer Person, die aus der tatsächlichen und/oder der erwarteten Benutzung eines Produkts, eines Systems oder einer Dienstleistung resultieren“ (ISO, 2019, zitiert nach Richter & Flückiger, 2016, S. 12). Im Gegensatz zur Usability, die gemäss Richter und Flückiger (2016) eher eine funktionale Betrachtungsweise erlaubt, bezieht die UX vermehrt auch emotionale Faktoren ein. Vor der Nutzung bestehen gewisse Erwartungen an die Produktinteraktion und nach der Nutzung erfolgt eine emotionale Annäherung oder Distanzierung zur Nutzungssituation (Peinert-Elger & Magerhans, 2023). Dabei spielen individuelle Faktoren wie Verhalten, Überzeugungen, Interessen, Wahrnehmungsempfindungen und Reaktionen physischer sowie psychologischer Art eine wichtige Rolle (Peinert-Elger & Magerhans, 2023). Zur UX-Betrachtungsweise gehört die Berücksichtigung von Nutzendenbedürfnissen, die erkannt und verstanden werden sollen, um eine zufriedenstellende UX zu schaffen (Peinert-Elger & Magerhans, 2023). Evaluation der User Experience Das Erlangen des Verständnisses für Bedürfnisse, Ziele, Gewohnheiten und Arbeitsabläufe der potenziellen BenutzerInnen eines Produkts ist eine wichtige Aufgabe, die im Optimalfall schon früh in der Entwicklungsphase stattfindet (Moser, 2012). Dazu kommen verschiedenste quantitative- sowie qualitative Methoden zum Einsatz (Moser, 2012). Die so gewonnenen Erkenntnisse dienen dem Entwicklungsteam dazu, die richtigen Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 6 Entscheidungen für die weiteren Entwicklungsschritte zu treffen (Moser, 2012). So können aus den gesammelten Erkenntnissen, die sehr umfangreich und abstrakt sein können, vereinfachte Modelle wie beispielsweise Personas abgeleitet werden, die stellvertretend für die BenutzerInnen, ihre Arbeitsabläufe und ihr Umfeld stehen (Moser, 2012). Gemäss Moser (2012) helfen solche Modelle dem Entwicklungsteam, sich in die Lage der BenutzerInnen zu versetzen, damit adäquate Designentscheidungen getroffen werden können. Spezifische Methoden, die bei der Datenerhebung zum Einsatz kommen können, sind Interviews, Umfragen, Beobachtungen, Fokusgruppen und Datenanalysen (Moser, 2012). Usability-Testing. Im Laufe des Prozesses, indem die Denkweisen und Arbeitsabläufe der BenutzerInnen dazu verwendet werden um Modelle wie Personas oder Szenarien zu erstellen, die wiederum für die Entwicklung eines Prototyps und anschliessend der Umsetzung dienen, werden Annahmen getroffen, Kompromisse eingegangen und Vereinfachungen durchgeführt (Moser, 2012). Dies führt dazu, dass Fehler entstehen, die mit jedem Schritt grösser werden (Moser, 2012). Ob das Endprodukt auch tatsächlich gut benutzbar ist, kann durch einen Usability-Test festgestellt werden. (Moser, 2012). Dabei wird überprüft, ob typische BenutzerInnen das Produkt so bedienen können, dass diese mit angemessenem Aufwand ihr Ziel erreichen können (Wiener, 2012). In der Regel wird dazu eine Gruppe von fünf bis acht Personen zusammengestellt, die aus Mitgliedern einer vorab definierten Zielgruppe besteht (Wiener, 2012). Jedem Mitglied dieser Gruppe werden möglichst realistische Aufgaben gestellt und es wird beobachtet, wie gut diese auf einem Prototypen oder dem fertigen Produkt gelöst werden können (Moser, 2012). Aus den daraus gewonnenen Erkenntnissen kann anschliessend abgeleitet werden, wie gut die Usability des Produkts ist und wo diesbezüglich Verbesserungspotenzial besteht (Moser, 2012). Usability- Tests können zwischen formativen- und summativen Tests unterschieden werden (Moser, 2012; Nielsen, 1993; Richter & Flückiger, 2016). Formative Tests werden typischerweise während der Entwicklungsphase durchgeführt (Moser, 2012; Richter & Flückiger, 2016). Gemäss Nielsen (1993) dienen formative Tests hauptsächlich dazu, herauszufinden, welche Aspekte der Benutzungsoberfläche gut oder schlecht sind und wie diese verbessert werden können. Da bei formativen Tests die Reproduzierbarkeit und die Repräsentativität der Ergebnisse eine untergeordnete Rolle spielen, werden hauptsächlich qualitative Daten erhoben (Moser, 2012). Gegen Ende der Entwicklungsphase kommen summative Tests zum Einsatz, deren Ziel es ist, die generelle Qualität einer Benutzungsoberfläche zusammenfassend zu prüfen (Moser, 2012; Nielsen, 1993). Summative Tests eignen sich beispielsweise dazu, eine Entscheidung zwischen mehreren Alternativen zu treffen oder das Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 7 eigene Produkt mit dem einer Konkurrenz zu vergleichen (Nielsen, 1993). Anders als bei formativen Tests werden dazu hauptsächlich quantitative Daten erhoben, die reproduzierbar, messbar und vergleichbar sind (Moser, 2012). Zur Überprüfung der Usability existiert eine Vielzahl an Methoden, die durch unterschiedliche Ansätze versuchen, eine Aussage darüber zu treffen, wie effizient, effektiv und zufriedenstellend das Produkt von den BenutzerInnen verwendet werden kann (Moser, 2012). Diesbezüglich unterscheidet Moser (2012) zwischen NutzerInnentests und ExpertInnentests. NutzerInnentests, wie der formale Usability-Test, unterscheiden sich von ExpertInnentests dadurch, dass bei letzteren keine Personen bei der Bearbeitung von Aufgaben beobachtet werden, sondern dass sachkundige Personen die Benutzungsoberfläche des Produkts anhand verschiedener Kriterien beurteilen (Moser, 2012). Eine Methode, die den ExpertInnentests zugeordnet werden kann, ist die heuristische Evaluation (Moser, 2012). Dabei handelt es sich um eine analytische Methode, bei der eine Gruppe von Usability-ExpertInnen die Benutzungsoberfläche eines Produkts anhand von bewährten Prinzipien und Heuristiken auf mögliche Usability-Probleme hin überprüft (Moser, 2012; Nielsen, 1993). Im Gegensatz zu einem formalen Usability-Test ist diese Methode weniger ressourcenaufwendig, benötigt jedoch mehr Fachwissen und ist weniger effektiv (Moser, 2012; Wiener, 2012). Die Evaluation identifiziert hauptsächlich kleinere Probleme und Inkonsistenzen, welche aus den Prinzipien und Heuristiken hervorgehen (Moser, 2012). Daher wird die heuristische Evaluation oft in Kombination mit einem NutzerInnentest eingesetzt (Moser, 2012). Einige dieser Richtlinien und Heuristiken werden nachfolgend erläutert. Richtlinien und Heuristiken. Usability- und UX-Richtlinien stellen in erster Linie ein Hilfsmittel für eine einheitliche und regelkonforme Benutzungsoberfläche dar (Richter & Flückiger, 2016). Die Berücksichtigung von Richtlinien erleichtert den BenutzerInnen später die Anwendung, indem darauf geachtet wird, dass konsistente und bekannte Elemente eingesetzt werden (Richter & Flückiger, 2016). Jedoch ist die blinde Einhaltung von Vorgaben nicht zielführend, wenn dabei der Nutzungskontext nicht berücksichtigt wird (Richter & Flückiger, 2016). Gemäss Richter und Flückiger (2016) gibt es eine Vielzahl von Richtlinien für eine gute Usability, die sich in ihrem Verwendungszweck unterscheiden. Ein prominentes Beispiel sind die sieben Kriterien der ISO-Norm 9241-110, die durch Vorgehens- und Gestaltungsrichtlinien versucht, die Entwicklung und Anwendung neuer Technologien zu standardisieren und auf die BenutzerInnen auszurichten (ISO, 2020; Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 8 Moser, 2012; Richter & Flückiger, 2016). Im Anhang C sind die Kriterien ersichtlich (ISO, 2006, zitiert nach Thesmann, 2016, S. 280-281). Sehr bekannt sind ausserdem die zehn Heuristiken nach Jacob Nielsen (Nielsen, 1994, 2024; Peinert-Elger & Magerhans, 2023). Diese entstanden aus einer Faktoranalyse aus insgesamt 249 Usability-Problemen und sollen als Grundlage für eine systematische Untersuchung einer Benutzungsoberfläche verwendet werden, um deren Usability-Probleme zu finden (Bittencourt, Bittencourt & Heidrich, 2022; Nielsen, 1993, 1994). Nielsens Heuristiken sind im Anhang D aufgelistet (Nielsen, 2024). Neben den bereits erwähnten Richtlinien tragen auch Erkenntnisse der Gestaltpsychologie dazu bei, eine funktionelle und ästhetisch ansprechende Benutzungsoberfläche zu gestalten (Horster, 2022; Moser, 2012; Thesmann, 2016). Diese basieren darauf, dass die menschliche Wahrnehmung bei der Informationsverarbeitung auf bereits vorhandene Erfahrungen zurückgreift und diejenige Interpretationsmöglichkeit auswählt, welche die geringste kognitive Last verursacht (Thesmann, 2016). Die Gestaltgesetze, die im Anhang E ersichtlich sind, helfen zu verstehen, wie die räumliche und zeitliche Anordnung auf die BetrachterInnen wirkt. Sie bieten damit wichtige Hinweise für die Gestaltung der Benutzungsoberfläche (Moser, 2012). Methodik Im folgenden Abschnitt wird das Vorgehen der vorliegenden Bachelorarbeit erläutert und begründet. Literaturrecherche Mit Fokus auf die Fragestellungen suchte der Autor gezielt nach Literatur, die der Datenerhebung als Grundlage diente. Dabei wurden Datenbanken wie JSTOR, Google Scholar, Swisscovery und ACM Digital Library durchsucht. Schlagworte, die dabei verwendet wurden, sind unter anderem: Usability, Usability Testing, Usability Standards und User Experience. Der Autor entschied sich dafür, nur Literatur zu zitieren, die aus einer verlässlichen Quelle stammt, dem aktuellen Forschungsstand entspricht und bereits in mehreren wissenschaftlichen Arbeiten zitiert wurde. Usability-Test Um die Usability von ABIDAT zu evaluieren, wurden Usability-Tests durchgeführt. Dieses Verfahren wurde gewählt, da Usability-Tests im Gegensatz zu anderen Evaluationsmethoden tatsächliche Usability-Probleme aufzeigen und nicht nur potenzielle Stolpersteine ausmachen (Moser, 2012). Dank der technologischen Fortschritte der letzten Jahre ist es immer mehr üblich, Usability-Tests remote durchzuführen (De Bleecker & Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 9 Okoroji, 2018; Moran & Pernice, 2020). Auf der Seite der Testleitung sind die Vorteile dieses Vorgehens, dass die Video- und Audioaufzeichnungen der Sitzungen auf unkomplizierte Weise getätigt werden können und dass der logistische Aufwand gering ist (De Bleecker & Okoroji, 2018). Die Testpersonen auf der anderen Seite profitieren, indem sie die Gelegenheit haben, den Test in ihrer natürlichen Umgebung durchzuführen und keine langen Anfahrtswege auf sich nehmen müssen (De Bleecker & Okoroji, 2018). Obwohl der Autor befürchtete, dass der Remote-Ansatz auch mit technischen Schwierigkeiten einhergehen kann, waren die genannten Vorteile ausschlaggebend, dass dieses Vorgehen gewählt wurde. Bevor die erste Sitzung stattfand, wurde ein Pre-Test durchgeführt. Die daraus resultierenden Erkenntnisse dienten dazu, letzte Änderungen an den Testaufgaben vorzunehmen und ein Gefühl für die Dauer der Sitzung zu erlangen. Um sicherzustellen, dass während den Sitzungen keine Bestandteile vergessen gehen, wurde eine Checkliste erstellt. Diese ist im Anhang F ersichtlich. Nachdem sich die Testpersonen dazu bereit erklärt hatten, an der Erhebung teilzunehmen, erhielten sie via E-Mail eine Einverständniserklärung (siehe Anhang G) und einen Link zu einem Umfragetool, auf dem sie einen passenden Termin und die gewünschte Videokonferenz-Software angeben konnten. Wurde dies erledigt, erhielten die Testpersonen einen Link für die jeweilige Sitzung. Als Vorbereitung sollten die Testpersonen sicherstellen, dass ihre Software ohne Einschränkungen funktioniert. Bezüglich der Sitzungen entschieden sich sechs Personen für MS-Teams und eine Person für Skype. Sampling. Die Auswahl der Testpersonen erfolgte anhand vorab definierter Proto- Personas, die in Zusammenarbeit mit der Identitas AG erstellt wurden. Im Gegensatz zu qualitativen- und quantitativen Personas, die mithilfe von empirischen Methoden erstellt werden, handelt es sich bei Proto-Personas um Annahmen von typischen BenutzerInnen, die das im Fokus stehende Produkt verwenden (Laubheimer, 2020). Der Autor wählte diesen Ansatz, da er ihn in Anbetracht des begrenzten Zeitrahmens als angemessen erachtete. Die besagten Proto-Personas sind im Anhang H aufgeführt. Die Rekrutierung der Testpersonen stellte sich als herausfordernd heraus, da vorgesehen war, das Sampling anhand von Personen zusammenzustellen, die sich im Rahmen der quantitativen Befragung dazu bereit erklärt hätten, am Usability-Test teilzunehmen. Da sich die Identitas AG jedoch dazu entschloss besagte Befragung zu einem späteren Zeitpunkt durchzuführen, wurden die Testpersonen im persönlichen Umfeld gesucht. Hierzu wurde ein Flyer erstellt, der die Rahmenbedingungen des Tests beinhaltet (siehe Anhang I). Obwohl als Anreiz CHF 40.- für die Teilnahme angeboten wurde, Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 10 antworteten viele potenzielle Testpersonen gar nicht erst auf die Anfrage oder lehnten die Teilnahme ab. Auch Institutionen wie der Schweizer Bauernverband und das Bildungszentrum Inforama reagierten nicht auf die Anfrage. Für die Durchführung der Usability-Tests konnten schlussendlich N = 7 Personen rekrutiert werden (siehe Tabelle 1). Auf den Betrieben von Testpersonen B02, B03 und B05 kommen aufgrund der Zugehörigkeit bestimmter Labels weniger Antibiotika zum Einsatz als bei B01, B04, B06 und B07. Testperson B07 ist die einzige Tierhalterin, die ABIDAT bereits einmalig verwendet hatte. Gemäss Nielsen und Landauer (1993) sind bereits fünf Testpersonen genug, um die wichtigsten Usability-Probleme zu identifizieren. Tabelle 1 Übersicht Sampling N = 7 Geschlecht Kanton Jahrgang Tiergattungen ABIDAT bekannt? ABIDAT verwendet? Erfahrung mit Computer B01 männlich Luzern 2001 Mastschweine, Milchkühe Nein Nein täglicher Gebrauch B02 weiblich Bern 1965 Rinder Nicht sicher Nein regelmässiger Gebrauch B03 männlich Bern 1985 Rinder, Schafe, Geflügel, Ponys Nein Nein wenig Erfahrung B04 männlich Bern 1985 Rinder, Pferde Nein Nein täglicher Gebrauch B05 männlich Bern 1999 Milchkühe, Mutterkühe Ja (Bauernzeitung) Nein regelmässiger Gebrauch B06 männlich Luzern 2001 Milchkühe, Jungvieh Ja (Tierarzt) Nein täglicher Gebrauch B07 weiblich Bern 1997 Rinder, Geflügel, Schafe Ja (Tierärztin) Ja (einmalig) regelmässiger Gebrauch Testaufgaben. Bei der Formulierung der Testaufgaben diente die Literatur von Nielsen (1993) als Richtlinie. Anstatt darauf zu achten, dass die Testpersonen sämtliche Funktionen und Elemente verwenden, wurden die Aufgaben so formuliert, dass sie die wichtigsten Aufgaben von ABIDAT abdecken. Diese wurden im Kapitel ABIDAT erwähnt. Somit konnte auch beobachtet werden, welche verschiedenen Lösungswege die Testpersonen einschlugen. Insgesamt wurden elf Testaufgaben erstellt, die von der Identitas AG überprüft wurden. Diese sind im Anhang J aufgelistet. Die erste Aufgabe ist einfach gehalten, um den Testpersonen gleich zu Beginn ein Erfolgserlebnis zu ermöglichen. Pre-Test-Interview. Zu Beginn der Sitzungen wurden die Testpersonen mit dem Testablauf vertraut gemacht, die wichtigsten Funktionen von ABIDAT erklärt und der Inhalt der Einverständniserklärung mündlich wiedergegeben. Nachdem die Testpersonen Gelegenheit erhielten, Fragen zu stellen, wurde die Aufnahme gestartet. Das anschliessende Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 11 Pre-Test-Interview diente dazu, die Daten in Tabelle 1 zu erheben. Nebst den demografischen Daten wurden die Erfahrungen mit ABIDAT und die allgemeinen Computerkenntnisse erfragt. Durchführung. Im Anschluss an das Pre-Test-Interview begann der eigentliche Usability-Test. Im Vorfeld wurden die Testpersonen gebeten, ihren Bildschirm zu teilen und ihre Aufmerksamkeit auf das Chattextfeld zu richten, in dem sie nach jeder gelösten Aufgabe jeweils eine neue Testaufgabe empfingen. Der Test fand auf einer Testumgebung von ABIDAT statt und es wurde ein Testaccount verwendet, der keine Daten von realen TierhalterInnen oder TierärztInnen enthielt. Alle Testpersonen hatten somit die gleiche Ausgangslage. Damit die Gedankengänge und Beweggründe erfasst werden konnten, wurden die Testpersonen gebeten, alle Gedanken auszusprechen, die ihnen bei der Bearbeitung aufkommen. Diese Methode ist unter dem Begriff Think Aloud bekannt (Nielsen, 1993, 2012). Verfielen die Testpersonen im Laufe des Tests in wortloses Handeln, wurden sie freundlich aufgefordert, ihre Gedankengänge wieder zu explizieren. Ein Nachteil dieser Methode ist, dass es für manche Personen befremdlich und unangenehm sein mag, während der Nutzung eines Systems konstant zu sprechen (Nielsen, 2012). Trotzdem wurde dieses Vorgehen gewählt, da es einfach anzuwenden ist und mit wenig Aufwand einen grossen Nutzen bringt (Nielsen, 2012). System Usability Scale. Nach der letzten Testaufgabe wurden den Testpersonen mithilfe der Screen-Sharing-Funktion nacheinander die Items des System Usability Scale (SUS) angezeigt. Beim SUS handelt es sich um einen Fragebogen von Brooke (1995), der auf effektive und effiziente Weise ein Mass bietet, um die Usability mehrerer Systeme vergleichbar zu machen (Peres, Pham & Phillips, 2013). Indem Sauro und Lewis (2016) 446 Studien von über 5000 individuellen SUS-Antworten analysierten, kamen sie zum Ergebnis, dass ein durchschnittlicher SUS-Score bei 68 liegt und eine Standardabweichung von 12.5 aufweist. Ausgehend von diesen Werten entwickelten sie eine Benotungsskala, die im Anhang K ersichtlich ist. Ein SUS-Score von 68 stellt mit der Note C die Mitte dar (Sauro & Lewis, 2016). Da Brooke (1995) den SUS in englischer Sprache entwickelte, wurde den Testpersonen die validierte deutsche Übersetzung nach Gao, Kortum und Oswald (2020) vorgelegt (siehe Anhang L). Diese wird vom Autor der vorliegenden Arbeit zwar als grammatikalisch fragwürdig betrachtet, wurde jedoch aufgrund der Validierung dennoch verwendet. Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 12 Die Testpersonen wurden gebeten, die jeweilige Frage zu lesen und auf der fünfstufigen Skala ihre Antwort zu verordnen. Nach der Einstufung, die jeweils mündlich erfolgte, hatten die Testpersonen die Gelegenheit, ihre Auswahl mündlich zu begründen. Post-Test-Interview. Nach der Beendigung des SUS wurden den Testpersonen Fragen gestellt, die vertiefende Einblicke in die UX von ABIDAT liefern sollten. Neben dem allgemeinen Eindruck von ABIDAT gaben die Testpersonen Auskunft über ihren persönlichen Nutzungsbedarf und ob sie weitere Funktionen begrüssen würden. Darüber hinaus wurden die Testpersonen gebeten, ihre Gedanken zur Einführung einer ABIDAT-App und der möglichen Integration in die TVD zu äussern. Das Post-Test-Interview bot schliesslich auch die Gelegenheit, von den Testpersonen zu erfahren, ob sie die soeben bearbeiteten Testaufgaben als repräsentativ für praxisnahe Arbeitsabläufe einschätzen. Im Anschluss an das Post-Test-Interview wurde den Testpersonen für ihre Teilnahme gedankt und nach der Überweisung von CHF 40.- via TWINT folgte die Verabschiedung. Auswertung. Mithilfe der Software MAXQDA konnten das Pre- und Post-Test- Interview sowie die Aussagen, die während des Usability-Tests und des SUS getätigt wurden, ausgewertet werden. Im Vorfeld wurden die Sitzungsaufzeichnungen in Anlehnung an die Transkriptionsregeln nach Kuckartz und Rädiker (2020) vollständig transkribiert und anonymisiert. Die verschiedenen Aussagen innerhalb der Transkripte wurden anschliessend zusammengefasst, indem sie inhaltlich kodiert wurden. Dies bedeutet, dass den Aussagen thematisch aussagekräftige Kategorien zugewiesen wurden. Entsprechend der deduktiven Kategorienbildung nach Kuckartz und Rädiker (2019) wurden die Hauptkategorien des Pre- Test-Interviews und des SUS aus den vorab festgelegten Fragen abgeleitet. Beim Post-Test- Interview hingegen kam eine Kombination aus der deduktiven- und der induktiven Kategorienbildung zum Einsatz (Kuckartz & Rädiker, 2019). Dies bedeutet, dass nebst den Kategorien, die aus den vorab festgelegten Fragen entsprangen, auch solche gebildet wurden, die direkt aus dem Datenmaterial stammten. Aus Gründen der einfacheren Interpretation und Auswertung wurden Aussagen, die während der Usability-Tests getätigt wurden und inhaltlich zu Themen des Post-Test-Interviews passen, in ebendiese Kategorien integriert. Das so gebildete Kategoriensystem wurde im Hinblick auf die Fragestellungen gemäss der Feincodierung von Kuckartz und Rädiker (2020) weiterentwickelt. Dies bedeutet, dass zu den Hauptkategorien neue Sub- und Subsubkategorien hinzugefügt wurden, wo immer dies vonnöten war. Das finalisierte Kategoriensystem ist im Anhang M ersichtlich. Für die anschliessende Auswertung wurden die Aussagen jeder Kategorie als Excel-Datei exportiert Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 13 und vertiefter analysiert. Bei der Berichtserstellung wurde der Inhalt zusammengefasst und erwähnt, wie viele Personen sich zur jeweiligen Kategorie äusserten. Die Auswertung des Usability-Tests erfolgte ebenfalls mithilfe der Software MAXQDA. Die Aufnahmen der Sitzungen wurden dabei herangezogen, um jegliche Handlungen und Äusserungen der Testpersonen während der Bearbeitung der Testaufgaben zu transkribieren. Es wurden verschiedenfarbige Kategorien verwendet, je nachdem in welcher Form die Testpersonen die einzelnen Aufgaben lösen konnten (siehe Abbildung 2). Die Entscheidung, den Grenzwert zwischen einem geringen und einem ernsthaften Problem bei einer Minute anzusetzen, beruht auf der Erkenntnis, dass die grösste Wahrscheinlichkeit, dass BenutzerInnen eine Website wieder verlassen, bei unter einer Minute liegt (Liu, White & Dumais, 2010; Nielsen, 2011). Abbildung 2. Klassifizierung der bearbeiteten Testaufgaben (eigene Darstellung) Nach der Klassifizierung der bearbeiteten Testaufgaben aller Testpersonen wurden die einzelnen Kategorien als Excel-Datei exportiert und vertieft analysiert. Im Bericht wurden die Usability-Probleme jeder Aufgabe vorgestellt und erwähnt, bei wie vielen Testpersonen sie jeweils auftraten. Die in der Diskussion beschriebenen Handlungsempfehlungen wurden aus den Richtlinien abgeleitet, die im Kapitel Richtlinien und Heuristiken erwähnt wurden. Der SUS wurde gemäss der Anleitung von Brooke (1995) ausgewertet. In einem ersten Schritt wurden für jede Testperson die Skalenpunkte der einzelnen Items addiert. Dabei war zu beachten, dass bei den Items 1, 3, 5, 7 und 9 der Skalenwert des jeweiligen Items minus 1 gerechnet werden muss. Bei den restlichen Items mussten die jeweiligen Skalenpunkte von 5 abgezogen werden. Der SUS-Score ergab sich schliesslich, indem die Summe mit 2.5 multipliziert wurde. Im Bericht wurde auf die Beantwortungen der Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 14 jeweiligen Items eingegangen und die individuellen SUS-Scores wurden anhand der Skala von Sauro und Lewis (2016) benotet. Quantitative Erhebung Um das gesamte Spektrum der UX von ABIDAT abzudecken, war es ursprünglich geplant, zusätzlich zu den Usability-Tests eine Umfrage durchzuführen. Diese sollte Aufschluss darüber geben, wie es um den generellen Bedarf von ABIDAT steht und spezifische Fragen der Identitas AG klären. Aus strategischen Gründen wurde, wie bereits erwähnt, von der Identitas AG entschieden, die Umfrage zu einem späteren Zeitpunkt, nach Abschluss dieser Arbeit, durchzuführen. Nichtsdestotrotz wird im Folgenden beschrieben, wie bei der Erstellung des Fragebogens vorgegangen wurde. Eine Umfrage eignet sich gut, um in kurzer Zeit Informationen von einer grossen Anzahl Personen zu sammeln (Moser, 2012). Aus Sicht der befragten Personen bietet diese Methode ausserdem den Vorteil, dass die Teilnahme diskreter und anonymer ist, als dies bei einem Interview der Fall ist (Döring, 2023; Moser, 2012). Sampling. Grundsätzlich sind jegliche TierhalterInnen von Nutztieren mit einem auf der TVD aktiven Betrieb geeignete KandidatInnen für die Umfrage. Die Identitas AG verfügt über eine Liste mit über tausend Personen, die sich im Rahmen von vergangenen Umfragen dazu bereit erklärten, an zukünftigen Befragungen teilzunehmen. Indem diese Liste als Verteiler für die ABIDAT-Umfrage verwendet würde, könnten zahlreiche TierhalterInnen aus allen Kantonen der Schweiz erreicht werden. Fragebogenerstellung. Die Items des Fragebogens basieren grösstenteils auf den Fragestellungen, die in der Einleitung erwähnt wurden. Zusätzlich wurden Items integriert, die von den SUS-Items 1, 2, 3 und 10 inspiriert sind. Ein erster Entwurf des Fragebogens wurde auf www.miro.com erstellt, mit der Identitas AG abgestimmt und danach nochmals überarbeitet. Die angepasste Version wurde anschliessend auf dem Umfragetool TIVIAN erstellt. Die Umfrage wurde so aufgebaut, dass Personen, die mit ABIDAT bereits vertraut sind, mit Fragen zu Verbesserungsvorschlägen, der Nutzungsfrequenz, den Beweggründen für die Nutzung und den Erfahrungen mit dem System konfrontiert werden. Bei Personen, denen das Produkt unbekannt ist, wird hingegen der generelle Bedarf an einem Produkt wie ABIDAT erfragt. Ein spezifisches Item, am Ende der Umfrage, sollte dazu dienen, geeignete Testpersonen für die Usability-Tests zu finden. Der Autor empfiehlt, die Umfrage vor dem Versand einem Pre-Test zu unterziehen, damit unklare Formulierungen angepasst und Verbesserungsvorschläge berücksichtigt werden können. Der Fragenkatalog ist im Anhang N ersichtlich. Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 15 Ergebnisse Usability-Tests Im folgenden Abschnitt werden die Ergebnisse der Usability-Tests vorgestellt. Eine Übersicht der gelösten Testaufgaben ist in Abbildung 3 ersichtlich. Abbildung 3. Übersicht der gelösten Testaufgaben (eigene Darstellung) Aufgabe 1. Die erste Aufgabe bestand darin, dass sich die Testpersonen mit vorgegebenen Zugangsdaten auf der Testumgebung von ABIDAT anmelden sollten. Login erfolgreich. Fünf der sieben Testpersonen konnten sich problemlos mit den zur Verfügung gestellten Anmeldedaten auf der Testumgebung von ABIDAT anmelden. Weiterleitung auf die Tierverkehrsdatenbank. Testpersonen B02 und B07 trugen die Zugangsdaten korrekt beim Anmeldefenster ein, wurden jedoch nicht auf ABIDAT weitergeleitet. Es öffnete sich die Startseite der TVD, die ebenfalls via Agate erreichbar ist. Nachdem sie die Seite neu geladen und die Anmeldung wiederholt hatten, gelangten die beiden Testpersonen schlussendlich auf die Einstiegsseite von ABIDAT. Aufgabe 2. Nachdem sich die Testpersonen auf ABIDAT angemeldet hatten, wurden sie gebeten, sich vorzustellen, dass sie mehrere Betriebe mit jeweils unterschiedlichen Tiergattungen hätten und nun den Arbeitsfokus eines bestimmten Betriebs auswählen wollen. Der Arbeitsfokus kann in einer Dropdownliste innerhalb der funktionalen Navigation gewählt werden (siehe Abbildung 4). Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 16 Abbildung 4. Funktionale Navigation mit Dropdown zur Auswahl des Arbeitsfokus. Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome Arbeitsfokus erfolgreich ausgewählt. Testpersonen B01, B05 und B07 fanden die Dropdownliste zügig und selektierten den korrekten Arbeitsfokus. Schwierigkeiten beim Finden der Dropdownliste. Drei der sieben Testpersonen hatten Schwierigkeiten, die Dropdownliste zu finden, bei der die Betriebe ausgewählt werden können. Während Person B06 länger als eine Minute brauchte, um die Liste zu finden und zuvor sämtliche Tabs der Benutzungsoberfläche anwählte, gingen Testpersonen B03 und B04 intuitiv davon aus, dass der gesuchte Arbeitsfokus beim Profilsymbol ganz rechts (siehe Abbildung 4) bei der funktionalen Navigation zu finden ist. B04 begründete sein Vorgehen wie folgt: „Es wäre einfacher, wenn schon ein Betrieb ausgewählt wäre. Wenn ich Erhebungen mache via Gelan, dann kann man hier beim Töggeli die Rolle auswählen. Deswegen wollte ich hier drücken“ (Interview B04:27). Abbruch der Suche. Auch Testperson B02 ging zunächst davon aus, dass der Arbeitsfokus über das Profilsymbol ausgewählt werden kann. „Weisst du, ich habe in echt auch zwei Betriebe, normalerweise gehe ich jeweils auf dieses Symbol“ (Interview B03:19). Mehrere Minuten lang suchte die Testperson erfolglos nach der Dropdownliste zur Auswahl des gesuchten Betriebs. Nachdem sie mehrmals durch sämtliche übergeordneten Tabs navigiert hatte, gab sie die Suche auf. Aufgabe 3. Im Rahmen dieser Aufgabe sollten die Testpersonen alle Antibiotikaverschreibungen abfragen, die am 24. August 2022 zum Einsatz kamen. Dazu mussten die Testpersonen zum übergeordneten Tab Verschreibungen navigieren und entweder mithilfe der Filterfunktion oberhalb des Grids oder des Expanders Suche einschränken nach den Einträgen suchen. Antibiotikaverschreibungen zum Stichtag erfolgreich abgefragt. Vier der sieben Testpersonen selektierten den richtigen übergeordneten Tab Verschreibungen und erstellten erfolgreich eine Liste aller Verschreibungen, die am 24. August 2022 zum Einsatz kamen. B01, B04 und B07 nutzten dabei die Filterfunktion (siehe Abbildung 5). Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 17 Abbildung 5. Filterfunktion zur Abfrage von spezifischen Informationen. Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome Testperson B02 löste die Aufgabe, indem sie den Expander Suche einschränken selektierte und bei der Datumsauswahl das Stichdatum sowohl bei von als auch bei bis eintrug (siehe Abbildung 6). Abbildung 6. Datumsauswahl bei Suche einschränken (Expander). Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome Schwierigkeiten bei Filterung und Datumseingabe. Testpersonen B03, B05 und B06 gelang es ebenfalls, die geforderte Liste der Verschreibungen zu erstellen, jedoch traten dabei Irritationen auf. B03 und B05 interpretierten das Filtersymbol bei der Filterfunktion als ein anwählbares Element, mit dem detailliertere Abfragen getätigt werden können. Entsprechend waren die beiden Testpersonen überrascht, dass nichts geschah, als sie auf das trichterförmige Symbol drückten. B03 kommentierte dies wie folgt: „Dann würde ich da den Filter wählen. Wenn ich den anklicke, passiert aber nichts (lacht). […] Ich kenne das so, dass Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 18 wenn ich auf den Filter drücke, dass dann ein Filter kommen sollte“ (Interview B03:46-48). B03 erkannte anschliessend, dass es sich bei der Filterfunktion um ein Textfeld handelt und trug dort das Wort Datum ein. Die Testperson vermutete, dass mit diesem Befehl eine Möglichkeit erscheint, um nach einem spezifischen Datum zu filtern. Da die Filterfunktion so implementiert ist, dass jeder eingetragene Buchstabe eine separate Abfrage auslöst, verschwand das Grid samt Filterfunktion bereits nach dem dritten Buchstaben (siehe Abbildung 7). B03 sah keine Möglichkeit, die Abfrage zu wiederholen, ohne die Seite neu zu laden. Nachdem die Seite neu geladen wurde, trug die Testperson das korrekte Datum bei der Filterfunktion ein und löste somit die Aufgabe. Abbildung 7. Nachdem eine Buchstabenkombination in das Filterfeld eingetragen wurde, die im Grid nicht vorhanden war, verschwand das Grid mit der Filterfunktion. Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome So wie Testperson B02 versuchte auch B06 das Grid mithilfe der Datumseingabe im Expander Suche einschränken zu filtern (siehe Abbildung 6). Die Testperson erwartete, dass die vordefinierte Zeitspanne bei der Datumseingabe in einem Schritt mit dem Cursor markiert und gelöscht werden kann. Als B06 bemerkte, dass sowohl das Von-Datum als auch das Bis-Datum separat bearbeitet werden müssen, änderte er bei beiden Daten zuerst den Tag, danach den Monat und schliesslich das Jahr. Testperson B06 schaffte es dadurch, die Aufgabe zu lösen. Auf die Frage, wie die Testperson die Datumseingabe erlebt hatte, antwortete B06: „Ähm ja, wenn man einen Tag will, muss man es halt zweimal eintragen, aber damit kann ich leben. Sonst kann man es ja auch noch über den Kalender wählen“ (Interview B06:49). Aufgabe 4. Bei dieser Aufgabe sollten sich die Testpersonen diejenigen Verschreibungen ausgeben lassen, bei denen das Präparat Engemycin eingesetzt wurde. Dies Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 19 kann beim Tab Verschreibungen mithilfe der Filterfunktion, der erweiterten Suche unter Suche einschränken oder auch mit einem Excel-Export erreicht werden. Einträge mit Engemycin erfolgreich abgefragt. Sämtlichen Testpersonen gelang es, das Grid so einzuschränken, dass nur Verschreibungen mit dem Präparat Engemycin aufgelistet waren. Vier der sieben Testpersonen verwendeten dabei die Filterfunktion oberhalb des Grids. Die restlichen drei Personen lösten die Aufgabe mithilfe des Expanders Suche einschränken. Dort befinden sich verschiedene Textfelder, die je zur Abfrage unterschiedlicher Daten dienen (siehe Abbildung 8). Spezifische Präparate können beim entsprechenden Textfeld gesucht werden. Testpersonen B05 und B06 liessen verlauten, dass sie es bevorzugen würden, anstelle von Textfeldern Dropdownlisten zu haben, in denen der gesuchte Begriff ausgewählt werden kann. Dies hätte den Vorteil, dass der Text nicht fehlerfrei eingegeben werden muss. „Ich frage mich hier gerade, weshalb hier keine Dropdownliste kommt, wo man auswählen könnte“ (Interview B06:65). Abbildung 8. Geöffneter Expander (Textfelder für die Abfrage von spezifischen Daten). Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome Aufgabe 5. Anstatt nach Präparaten zu suchen, wurden die TeilnehmerInnen im Rahmen dieser Aufgabe gebeten, das Grid so einzuschränken, dass nur Verschreibungen angezeigt werden, bei denen der Wirkstoff Penicillin zum Einsatz kam. Da es im Expander Suche Einschränken kein Textfeld zur Suche des Wirkstoffes gibt, kann die Liste nur über die Filterfunktion oder den Excel-Export erstellt werden. Im Grid existiert keine Spalte, die den Wirkstoff auflistet. Die TeilnehmerInnen lösen die Aufgabe, wenn sie das Grid mithilfe der Filterfunktion einschränken, nachdem sie herausfinden, dass jede Zeile im Grid auch ein Expander ist und dass darin Detailinformationen angezeigt werden, in denen der Wirkstoff zu finden ist (siehe Abbildung 9). Ein alternativer Lösungsweg führt über den Excel-Export. Wenn die TeilnehmerInnen einen Excel-Export aller Verschreibungen erstellen und innerhalb der Datei den Wirkstoff herausfiltern können, gilt die Aufgabe ebenfalls als gelöst. Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 20 Abbildung 9. Expander im Grid mit Informationen zum Wirkstoff. Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome Liste erfolgreich erstellt, findet Informationen zum Wirkstoff jedoch nicht. Testperson B07 schränkte das Grid mithilfe der Filterfunktion ein, indem sie den gesuchten Wirkstoff beim Textfeld eintrug. Jedoch fand sie keine Informationen zum Wirkstoff und vermutete lediglich, dass es sich bei den gefilterten Einträgen um Verschreibungen mit Penicillin handelt. B07 würde es begrüssen, eine Möglichkeit zu haben, den Wirkstoff einzusehen. „Ja, aber es wäre schon praktisch, wenn es noch irgendwo stehen würde, weil gerade, wenn es beispielsweise um Parasitenmittel geht, wird einem immer beigebracht, dass man den Wirkstoff wechseln muss“ (Interview B07:76). Schwierigkeiten bei der Suche nach Wirkstoffen. Testpersonen B02 bis B05 vermuteten, dass im Expander Suche einschränken eine Möglichkeit besteht, nach Einträgen mit dem gesuchten Wirkstoff zu suchen. Während drei dieser Personen den Wirkstoff beim Textfeld für die Präparate eintrugen und sich erhofften, dass dies zur Lösung führt, erkannte Testperson B05 direkt, dass sich dort keine Möglichkeit bietet, nach dem Wirkstoff zu suchen. Die Person begann danach, alle Tabs der Seite nach dem gesuchten Wirkstoff zu durchkämmen. „Dann bin ich jetzt hier nicht fündig geworden, dann gehe ich mal auf den Verlauf und suche weiter“ (Interview B05:79). Im Laufe der Aufgabenbearbeitung, versuchten alle dieser vier Testpersonen den Wirkstoff bei der Filterfunktion einzutragen und somit das Grid entsprechend einzuschränken. Nur Testperson B02 fand nach langer Suche heraus, dass es sich bei den einzelnen Zeilen des Grids um Expanders handelt. Die Person hatte zuvor bereits das Grid korrekt eingeschränkt, ging jedoch davon aus, dass es sich dabei nicht um die gesuchten Einträge handelt, da der Wirkstoff nicht zu sehen war. Als Person B02 die Informationen zum Wirkstoff im Expander fand, war sie sich sicher, dass das Grid korrekt eingeschränkt wurde. Nachdem der Wirkstoff bei der Filterfunktion eingetragen wurde, hielt auch B05 das korrekt eingeschränkte Grid erst nicht für die gesuchte Liste. Die Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 21 Testperson gelangte schliesslich zur Lösung, indem sie einen Excel-Export sämtlicher Einträge erstellte und die gesuchten Einträge innerhalb der Datei filterte. Auch B03 und B04 gelang es schliesslich, die geforderte Liste mithilfe der Filterfunktion zu erstellen. Die zwei Testpersonen konnten jedoch nicht mit Sicherheit feststellen, ob es sich beim eingeschränkten Grid nur um Verschreibungen mit dem Wirkstoff Penicillin handelte. „Ja, ich sehe, es hat die Suche eingeschränkt. Jetzt habe ich nur noch die neun Tiere. Ich nehme an, über den Filter, weil es die Suche eingeschränkt hat, werden es diese sein. Ist aber nur meine Hypothese“ (Interview B03:95). Im Laufe der Aufgabenbearbeitung konnte beobachtet werden, dass einige Testpersonen die geöffnete Seite neu luden, wenn sie den Filter oder die Abfragen über Suche einschränken zurücksetzen wollten. B02, B03 und B04 klickten dazu auf einen anderen übergeordneten Tab und kehrten zur vorherigen Seite zurück. B03 explizierte dies wie folgt: „Merkst du das, ich gehe hier immer auf Übersicht und wieder zurück, wenn ich das Fenster neu laden will und vermeide es, auf den Return-Button zu drücken (Interview B03:96)“. Wie bereits bei Aufgabe 3 beobachtet, trat auch bei dieser Aufgabenstellung das Phänomen auf, dass das Grid zusammen mit der Filterfunktion verschwindet, sobald eine im Grid nicht vorhandene Zeichenkombination in das Textfeld des Filters eingetragen wird. B04 wurde mit diesem Problem konfrontiert, als die Person einen Rechtschreibfehler beim Wort Penicillin machte. Abbruch der Suche. Testpersonen B01 und B06 versuchten beide, die gesuchten Verschreibungen mithilfe der Filterfunktion zu finden. B01 machte bei der Eingabe einen Rechtschreibfehler und wurde ebenfalls mit dem soeben beschriebenen Fehler konfrontiert. Irritiert davon, dass das Grid zusammen mit der Filterfunktion verschwand, navigierte B01 zum Expander Suche einschränken und trug beim Textfeld Präparate den gesuchten Wirkstoff ein. Da keine Einträge erschienen, ging B01 davon aus, dass keine Verschreibungen mit Penicillin vorhanden sind. „Ich glaube, es hat keinen Eintrag mit Penicillin“ (Interview B01:52). Wie zuvor B03 und B05 ging auch B06, der zuvor die Filterfunktion noch nicht verwendet hatte, davon aus, dass durch das Anwählen des Filtersymbols ein Fenster geöffnet würde, in dem detailliertere Abfragen möglich sind. B06 begründete seine Überlegung wie folgt: „Ja, beispielsweise bei Swissgenetics. Dort, bei der Stierensuche, ist das so. Oben hat man einfach die wichtigsten [zeigt auf die Felder bei Suche einschränken]. Und wenn man Details suchen will, kann man unten aufklappen“ (Interview B06:73). Schliesslich öffnete Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 22 die Testperson den Expander Suche einschränken und trug den Wirkstoff im Textfeld für Präparate ein. Wie B01 kam auch B06 fälschlicherweise zum Schluss, dass keine Verschreibungen mit dem Wirkstoff Penicillin vorhanden sind. Aufgabe 6. Mit dieser Aufgabe wurde überprüft, ob die Testpersonen im übergeordneten Tab Verschreibungen einen Excel-Export (siehe Abbildung 10) erstellen können, der nur Verschreibungen von Rindern enthält. Dazu muss im Expander Suche einschränken, im Textfeld Nutzungskategorie das Wort Rind eingetragen und die Suche gestartet werden. Wenn nun ein Excel-Export des eingeschränkten Grids erstellt wird, stimmen die Daten im Grid mit dem Excel-Export überein. Die Filterfunktion oberhalb des Grids führt dabei nicht zur Lösung, da sie den Excel-Export nicht beeinflusst. Abbildung 10. Button zum Erstellen eines Excel-Exports (befindet sich zusammen mit der Filterfunktion oberhalb des Grids). Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome Excel-Export erfolgreich erstellt. Testpersonen B03, B05 und B07 navigierten direkt zum Expander Suche einschränken, trugen den Begriff Rind beim Textfeld Nutzungskategorie ein und exportierten erfolgreich die geforderte Excel-Datei. Präzisionsproblem bei der Suche. Auch Testperson B06 navigierte entschlossen zu Suche einschränken, trug beim Textfeld jedoch die Pluralform Rinder ein und löste die Suche aus (siehe Abbildung 11). Nachdem B06 erkannt hatte, dass keine Daten geladen wurden, wechselte er beim Textfeld Nutzungskategorie das Wort Rinder zu Rind und löste die Suche erneut aus. Die Testperson exportierte das korrekt eingeschränkte Grid und löste somit die Aufgabe. Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 23 Abbildung 11. Suche einschränken (wird bei der Nutzungskategorie die Pluralform eingetragen, werden keine Daten geladen). Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome Präzisionsproblem bei der Suche löst Irritation aus. Testperson B04 stolperte ebenfalls über dasselbe Problem, indem sie im Expander Suche einschränken anstatt Rind die Pluralform Rinder eintrug. Im Gegensatz zu B06 lösten die ausbleibenden Daten bei B04 Irritationen aus. „Es findet aber nichts. Das ist komisch. Da findet es nichts“ (Interview B04:78). Nachdem die Testperson einige Sekunden versucht hatte, das Problem zu verstehen, navigierte sie zur Filterfunktion, wo sie das Wort Rind eintrug. Da dadurch das Grid nur noch Einträge mit Rindern aufwies, öffnete B04 zielstrebig den Expander Suche einschränken und trug schliesslich bei der Nutzungskategorie die Pluralform Rinder ein. B04 gelang es anschliessend, den Excel-Export zu erstellen. Auf die Frage, ob Testperson B04 im Expander Suche einschränken Dropdownlisten anstelle von Textfeldern begrüssen würde, antwortete sie wie folgt: „Ja, das wäre, weisst du, ich weiss nicht wie, aber es wäre bei allen vier Kategorien sinnvoll, dass man ein Dropdown hätte. Es muss ja nur das aufweisen, was erfasst ist dort. Vor allem auch beim Präparat und Wirkstoff.“ (Interview B04:88). Abbruch der Suche. Nachdem die Testperson B01 zum Expander Suche einschränken navigiert hatte, war sie der Ansicht, dass zuerst die Zeitspanne verändert werden müsse. So wie bereits B06, erwartete auch B01, dass sowohl das von- als auch das bis-Datum in einem Schritt mit dem Cursor markiert und gelöscht werden können. Nachdem eine beliebige Zeitspanne gewählt wurde, trug die Testperson bei der Nutzungskategorie Rinder ein und löste die Suche aus. Irritiert davon, dass keine Daten geladen wurden, vermutete B01, dass das Problem mit dem Vergrössern der Zeitspanne behoben werden Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 24 kann. „Das ist komisch, da kommt nichts. Ich mache mal die Zeitspanne grösser“ (Interview B01:66). Sichtlich verdutzt darüber, dass dies ebenfalls nichts an der Situation änderte, musste sich die Testperson eingestehen, dass sie nicht wisse, wie die Aufgabe zu lösen sei. Testperson B02 navigierte direkt zum Button Excel-Export, ohne vorher die Nutzungskategorie einzuschränken. Als die Testperson erkannte, dass in der Excel-Datei alle Tiergattungen aufgeführt sind, erwartete sie, dass das Grid zuerst mithilfe der Filterfunktion eingeschränkt werden muss. „Ah, ich muss wahrscheinlich über den Filter“ (Interview B02:53). Da das Excel-File danach immer noch sämtliche Tiergattungen aufwies, wiederholte B02 den Vorgang erneut. Nachdem die Testperson einige Sekunden mit Überlegen verbracht hatte, verkündete sie, dass sie nicht wisse, wie die Aufgabe zu lösen sei. „Ich komme nicht drauf“ (Interview B02:54). Aufgabe 7. Die Testpersonen wurden gebeten, ein Balkendiagramm zu erstellen, auf dem die Anzahl an Verschreibungen von Januar 2021 bis Februar 2024 für sämtliche Tiergattungen einzusehen sind. Um diese Aufgabe zu lösen, müssen die Testpersonen den übergeordneten Tab Verschreibungen verlassen und zum Tab Verlauf navigieren (siehe Abbildung 12). Abbildung 12. Übergeordnete Tabs der verschiedenen Funktionen von ABIDAT (Für Aufgabe 7 muss zum Tab Verlauf navigiert werden). Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome Dort haben sie die Möglichkeit, die Zeitspanne manuell oder mithilfe eines Date- Pickers zu definieren. Ist dies erledigt, muss unterhalb der Datumseingabe der Tab Anzahl Verschreibungen angewählt werden, damit das geforderte Balkendiagramm geladen wird (siehe Abbildung 13). Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 25 Abbildung 13. Tab Anzahl Verschreibungen führt zum gesuchten Diagramm. Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome Balkendiagramm erfolgreich erstellt. Drei der sieben Testpersonen gelang es ohne grössere Einschränkungen, das geforderte Balkendiagramm zu erstellen- und richtig zu interpretieren. Während B02 und B03 die Zeitspanne mithilfe des Date-Pickers auswählten, wählte B07 diese manuell aus. Tabs: Anzahl Verschreibungen- und Anzahl Tierbehandlungen. Testperson B04 überflog zuerst die Inhalte sämtlicher übergeordneter Tabs Übersicht, Verschreibungen, Verlauf und Vergleichsdaten, bevor sie schliesslich die Zeitspanne im Tab Verlauf mithilfe des Date-Pickers anpasste. „Ah, es kommt ja schon. Also, das Balkendiagramm habe ich hier“ (Interview B04:103). Als die Testperson die Tabs Anzahl Verschreibungen und Anzahl Tierbehandlungen betrachtete, äusserte sie, dass für sie nicht ersichtlich sei, wo der Unterschied zwischen den beiden Tabs liege. Auf die Frage, ob hierzu ein Beschreibungstext notwendig wäre, antwortete Testperson B04: „Da fehlt mir die Beschreibung, ja. Ich kann mir vorstellen, dass es das ist, was der Tierarzt selbst behandelt hat. Aber hier fehlt mir die Beschreibung“ (Interview B04:110). Schwierigkeiten beim Finden und Erstellen des Balkendiagramms. Testpersonen B01 und B06 hatten Schwierigkeiten bei der Aufgabenbewältigung. B01 verbrachte viel Zeit damit, die Inhalte der beiden übergeordneten Tabs Verschreibungen und Vergleichsdaten nach dem Lösungsweg zu durchkämmen, bis er schliesslich die Datumseingabe im Tab Verlauf entdeckte und somit die Aufgabe lösen konnte. Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 26 B06 hingegen navigierte direkt zum richtigen übergeordneten Tab und begann damit, die Zeitspanne manuell einzutragen. Dabei bemerkte die Testperson nicht, dass das Datum im Format JJJJ-MM eingetragen werden muss. Erst als B06 durch eine Fehlermeldung darauf aufmerksam gemacht wurde, dass das Datum nicht validiert werden konnte, versuchte er, das Datum im korrekten Format einzutragen: „Ah, da muss man das Datum umkehren, oder?“ (Interview B06:142). Anstatt eines Bindestriches wählte er jedoch einen Punkt zur Trennung von Monat und Jahr. Dies führte dazu, dass die Fehlermeldung erneut erschien (siehe Abbildung 14). Irritiert löschte B06 die Einträge und entschied sich, die Zeitspanne mithilfe des Date-Pickers einzutragen. Der Testperson gelang es anschliessend, die Aufgabe zu lösen. B06 kommentierte die Situation wie folgt: „Ja, oben war es das englische Datumsformat und am anderen Ort [Tab: Verschreibungen] war es das deutsche“ (Interview B06:153). Abbildung 14. Fehlerhaftes Datumsformat führt zu einem Validierungsfehler (Jahr und Monat müssen zwingend durch einen Bindestrich getrennt werden). Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome Möglichkeit zur Erstellung des Balkendiagramms nicht gefunden. Testperson B05 durchsuchte die Inhalte der übergeordneten Tabs von ABIDAT so lange, bis sie verlautete, dass sie normalerweise die Suche aufgeben würde. „Da wüsste ich jetzt ehrlich gesagt nicht weiter. Da würde ich jetzt aufgeben“ (Interview B05:134). Nachdem Testperson B05 zum richtigen übergeordneten Tab Verlauf geleitet wurde, gelang es ihr, die Zeitspanne mithilfe des Date-Pickers einzutragen und die Aufgabe danach zu lösen. Aufgabe 8. Im Rahmen dieser Aufgabe sollten die Testpersonen im bereits geöffneten übergeordneten Tab Verlauf für denselben Zeitraum wie bei Aufgabe 7 herausfinden, wie gross die Menge der kritischen Antibiotikabehandlungen war. Um die Aufgabe zu lösen, müssen im rechten Bereich der Radio-Button für kritische AB angewählt- Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 27 und bei den drei Tabs unterhalb der Datumsauswahl der Tab Verabreichte AB-Menge ausgewählt werden (siehe Abbildung 15). Die Aufgabe gilt als gelöst, wenn die Testpersonen im Diagramm ablesen können, wann und wie viele kritische Antibiotika eingesetzt wurden. Abbildung 15. Radio-Button für kritische Antibiotika rechts neben der Datumsauswahl. Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome Kritische Antibiotika erfolgreich im Diagramm abgelesen. Sechs der sieben Testpersonen lösten die Aufgabe ohne nennenswerte Einschränkungen und Irritationen. In Bezug auf die Interpretation der Menge im Diagramm bemerkte Testperson B07, dass sie es begrüssen würde, wenn im Tooltip bei den einzelnen Balken neben der Menge auch die entsprechende Masseinheit aufgeführt wäre (siehe Abbildung 16). Abbildung 16. Tooltip mit Menge an kritischen Antibiotika (Masseinheit fehlt). Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 28 Schwierigkeiten bei der Interpretation der Menge im Tooltip. Obwohl die Testperson B03 keine Schwierigkeiten hatte, das geforderte Diagramm zu erstellen, konnte sie der Menge im Tooltip keine eindeutige Masseinheit zuordnen. Sie vermutete, dass es sich dabei um Kilogramm handelt, war sich jedoch nicht sicher. „Hier unten zeigt es mir nun orange an. Die habe ich hier [zeigt auf Tooltip]. 0.002, das sind wahrscheinlich Milliliter. Das steht da nicht, oder? Ah doch, am Rand [zeigt auf y-Achse]. Ich bin jetzt mit dem überfordert“ (Interview B03:135). Aufgabe 9. Aufgabe 9 hielt für die Testpersonen die Aufgabe bereit, festzustellen, ob der Antibiotikaverbrauch bei den Schweinen im Normalbereich liegt oder ob eine kritische Grenze überschritten wurde. Dazu mussten die Testpersonen den übergeordneten Tab Verlauf verlassen und zum Tab Vergleichsdaten navigieren. Um die Aufgabe zu lösen, ist es notwendig zu wissen, dass es sich beim Wert, der den eigenen Antibiotikaverbrauch kennzeichnet, um den TBI handelt. Mit diesem Wissen haben die Testpersonen die Möglichkeit, im Grid unterhalb des Beschreibungstextes abzulesen, dass sich der TBI für Schweine im Normalbereich befindet. Alternativ gelangen sie durch Anwählen des Grafiksymbols im Grid zu einem Diagramm, auf dem ebenfalls ersichtlich ist, ob sich der TBI im Normalbereich befindet (siehe Abbildung 17). Abbildung 17. Vergleichsdaten für Schweine (Testpersonen können direkt ablesen, dass sie sich im Normalbereich befinden oder gelangen über das Grafiksymbol rechts zum Diagramm). Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome Vergleichsdaten für Schweine erfolgreich interpretiert. Nachdem sie die Aufgabe gelesen hatten, navigierten Testpersonen B02, B04, B06 und B07 direkt zum übergeordneten Tab Vergleichsdaten und interpretierten den Status ihres TBI anhand des Textes im Grid. „Ja, das sehe ich hier schon. Hier steht es [zeigt auf Text, dass TBI im Normalbereich]. Das ist sehr offensichtlich“ (Interview B04:137). Bei B05 führte der Lösungsweg über das Grafiksymbol im Grid. Die Testperson hatte ebenfalls keine Schwierigkeiten auf dem Diagramm abzulesen, dass sich der TBI im Normalbereich befindet. „Ja, ich würde es so interpretieren, dass wenn hier der schwarze Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 29 Pfeil hier [zeigt auf die Linie, die den eigenen Betrieb kennzeichnet] oder ähm, der Strich, wenn jetzt der rechts vom Signalwert wäre, dann wäre es überschritten“ (Interview B05:169). B05 fände es intuitiver, wenn der TBI anstatt auf der x-Achse auf der y-Achse abzulesen wäre. „Es wäre eventuell einfacher, wenn es horizontal wäre. [.…] Wenn der Wert auf der y-Achse wäre, dann wäre die Grenze horizontal. Aber vielleicht ist das eine persönliche Meinung“ (Interview B171-173). Interpretation benötigt Zeit. Auch Testperson B01 versuchte den Status des TBI mithilfe des Diagramms zu ermitteln. Vorher verbrachte sie einige Sekunden damit, die Inhalte der übergeordneten Tabs von ABIDAT zu durchsuchen. Im Diagramm bei den Vergleichsdaten angelangt, gelang es B01 die Grenze zwischen dem Normalbereich und einem erhöhten Verbrauch zu identifizieren. Interpretiert das Diagramm falsch. Testperson B03 navigierte ebenfalls direkt über das Grafiksymbol zum Diagramm. Während sie das Diagramm betrachtete, liess sie verlauten, dass sie keine Erfahrung mit Diagrammen wie diesem habe. „Ich bin mir das nicht so gewohnt“ (Interview B03:161). Auf die Frage, ob der Normalbereich überschritten wurde oder nicht, antwortete B03 wie folgt: „Ich bin drüber, nach meinem Balken hier [zeigt auf Linie, die den eigenen Betrieb kennzeichnet und auf den grauen Balken, der für die Vergleichsbetriebe steht]. Mit 0.01. Aber ich müsste mehr aufgefordert werden, dass ich drüber bin.“ (Interview B03:165). Die Testperson ging fälschlicherweise davon aus, dass der TBI ausserhalb des Normalbereichs liegt, da das rautenförmige Ende der Linie, die den eigenen Betrieb kennzeichnet, höher ist als der graue Balken, der für die Vergleichsbetriebe steht (siehe Abbildung 18). Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 30 Abbildung 18. Diagramm TBI (da sich das rautenförmige Ende der Linie, die den eigenen Betrieb kennzeichnet, höher befindet als der graue Balken, geht die Testperson davon aus, dass der Normalbereich überschritten wurde). Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome Aufgabe 10. Die Testpersonen wurden gebeten, herauszufinden, ab welchem Wert die Behandlungen der Schweine im Jahr 2021 den Normalbereich überschritten hätten. Diese Information kann im übergeordneten Tab Vergleichsdaten im Diagramm abgelesen werden, was durch Anwählen des Grafiksymbols im Grid bei den Schweinen zu erreichen ist (siehe Abbildung 17). Je höher der Antibiotikaverbrauch des eigenen Betriebs ausfällt, desto weiter rechts ist die schwarze Linie zu finden. Dies zu verstehen, ist für das Lösen der Aufgabe unabdinglich. Zudem müssen die Testpersonen verstehen, dass der Signalwert die Grenze zwischen normalem und erhöhtem Verbrauch definiert. Befindet sich die Linie des Betriebes demnach auf der rechten Seite des Signalwerts, wurde der Normalbereich überschritten (siehe Abbildung 19). Das gewünschte Jahr kann in einer Dropdownliste oberhalb des Diagramms ausgewählt werden. Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 31 Abbildung 19. Diagramm TBI (die orange Linie markiert die Grenze zwischen normalem und erhöhtem Verbrauch). Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome Signalwert erfolgreich interpretiert. Zwei der sieben Testpersonen konnten das Diagramm zügig finden, wählten das korrekte Datum aus und hatten keine Mühe, den Signalwert zu interpretieren. „Ja, dann wäre es da, die 0.91. Wenn der Index diesen Wert erreicht, wäre es nicht mehr normal“ (Interview B05:186). Diagramm nicht auf Anhieb verstanden. Obwohl Testpersonen B02 und B04 weder Probleme hatten, das gefragte Diagramm zu finden, noch das korrekte Datum einzustellen, gelang es ihnen nicht auf Anhieb, das Diagramm zu verstehen. Für B04 war zunächst nicht ersichtlich, wo sich der Erklärungstext zu den verschiedenen Werten des Diagramms befindet. „Nun ist für mich noch nicht ersichtlich, was Signal- und Aktionswert bedeutet. Ich sehe auch nirgends Infos dazu“ (Interview B04:148). Beiden Testpersonen gelang es schliesslich, das Diagramm richtig zu interpretieren. Diagramm nicht richtig interpretiert. Testpersonen B03, B06 und B07 gelang es, das Diagramm zu finden und das korrekte Datum in der Dropdownliste auszuwählen. Nachdem B03 bereits bei Aufgabe 9 viel Zeit damit verbracht hatte, das Diagramm zu untersuchen, musste er sich eingestehen, dass er die Aufgabe nicht lösen konnte. Genauso wie B03 im Rahmen der vorherigen Aufgabe gingen auch Testpersonen B03 und B07 fälschlicherweise davon aus, dass die y-Achse für die Intensität des Antibiotikaverbrauchs steht. „Also, ich würde es jetzt so interpretieren, dass ich höher war Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 32 als die Norm oder als die Vergleichsbetriebe“ (Interview B07:178). Auf die Frage, wie sie zu diesem Urteil kam, antwortete B07 wie folgt: „Also, indem, dass mein Pünktchen hier oben ist [zeigt auf das rautenförmige Ende der schwarzen Linie], und der graue Balken geht nur bis hier [zeigt auf Oberkante des grauen Balkens]. Also etwas mehr als 80%“ (Interview B07:182). Aufgabe 11. Bei der letzten Aufgabe sollten die Testpersonen mithilfe eines Diagramms herausfinden, wie sich der TBI für Schweine zwischen den Jahren 2021 und 2022 verändert hatte. Die Dropdownliste, mit der die Testpersonen im Rahmen der vorherigen Aufgabe das Jahr 2021 ausgewählt hatten, enthält neben den Jahreszahlen zusätzlich einen Eintrag Verlauf (siehe Abbildung 20). Wird dieser ausgewählt, erscheint das gesuchte Diagramm. Abbildung 20. Um den zeitlichen Verlauf des TBI einzusehen, muss in der Dropdownliste der Eintrag Verlauf ausgewählt werden. Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome Im Diagramm verraten die Tooltips an den rautenförmigen Enden der Linie, die den eigenen Betrieb kennzeichnet, den Testpersonen die jeweiligen TBI-Werte der Jahre 2021 und 2022 (siehe Abbildung 21). Kommen die Testpersonen dadurch zum Schluss, dass sich der TBI in dieser Zeitperiode nicht verändert hat, gilt die Aufgabe als gelöst. Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 33 Abbildung 21. Zeitlicher Verlauf des TBI (Tooltips geben Auskunft über den TBI-Wert der jeweiligen Jahre). Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome Zeitlicher Verlauf des TBI erfolgreich interpretiert. Testpersonen B01, B05 und B06 entdeckten das gesuchte Diagramm rasch und interpretierten die Veränderung der TBI- Werte anhand der Informationen in den Tooltips korrekt. „Dann ist das Ihr Betrieb, dann war der in beiden Jahren auf 0.01. Ist also gleichgeblieben“ (Interview B05:202). Eintrag in der Dropdownliste nicht sofort auffindbar. Testperson B04 konnte den Eintrag Verlauf in der Dropdownliste nicht auf Anhieb finden und überflog stattdessen sämtliche Informationen in den übergeordneten Tabs Verschreibungen, Verlauf und Vergleichsdaten, um eine Möglichkeit zur Erstellung des Diagramms zu finden. Nachdem sie den Eintrag Verlauf in der Dropdownliste gefunden- und das Diagramm richtig interpretiert hatte, kommentierte sie den Eintrag in der Dropdownliste wie folgt: „Gut, wenn man einmal drauf geht und sieht, dass der Verlauf bei dieser Liste ist, dann weiss man es. Aber ich könnte mir vorstellen, dass das schon ein bisschen eine Sucherei gegeben hat, oder?“ (Interview B04:190). Zusätzlich bemängelte B04, dass sich die Linie, die den eigenen Betrieb kennzeichnet, sehr nahe an der x-Achse befindet, wenn der Antibiotikaverbrauch gering ist (siehe Abbildung 21). Die Testperson vermutete, dass einige BenutzerInnen Schwierigkeiten haben könnten, die x-Achse von der Linie des eigenen Betriebs zu unterscheiden. Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 34 Schwierigkeiten bei der Aufgabenbewältigung. Testperson B02 benötigte einige Minuten, bis sie den Eintrag Verlauf in der Dropdownliste fand. Ähnlich wie B04 durchsuchte sie alle übergeordneten Tabs von ABIDAT bevor sie das Diagramm entdeckte und anschliessend korrekt interpretierte. B03 gelangte zügig zum gesuchten Diagramm, wurde jedoch mit einem anderen Problem konfrontiert. Als die Testperson das Diagramm betrachtete, betätigte sie das Scrollrad ihrer Maus, was dazu führte, dass im Diagramm nur noch das Jahr 2021 aufgeführt war (siehe Abbildung 22). B03 benötigte einige Minuten, bis sie erkannte, dass sich die Zeitspanne durch das Scrollrad vergrössern und verkleinern lässt. Nachdem das Problem behoben wurde, gelang es Testperson B03, das Diagramm korrekt zu interpretieren. Abbildung 22. Nach dem Betätigen des Scrollrads wurde nur noch das Jahr 2021 angezeigt. Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome Diagramm zeitlicher Verlauf des TBI nicht gefunden. So wie Testperson B04 und B02 durchsuchte auch Testperson B07 die Inhalte der übergeordneten Tabs von ABIDAT nach dem Diagramm. Die Testperson beendete die Suche nach mehreren Minuten und erklärte, dass sie nicht auf die Lösung käme. „Also, ich muss gerade ehrlich sagen, ich suche schon zu lange. Ich glaube, ich würde aufgeben, wenn ich es einfach so machen würde“ (Interview B07:230). Nachdem die Testperson zum gesuchten Diagramm geleitet wurde, scheiterte sie bei dessen Interpretation. B07 ging fälschlicherweise davon aus, dass die Werte in den Tooltips bei den Signal- und Aktionswerten den eigenen Verbrauch kennzeichnen Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 35 (siehe Abbildung 23). Da diese statisch sind, ging die Testperson davon aus, dass sich der TBI nicht verändert hat. B07 bemängelte, dass das Diagramm bei den einzelnen Jahren und dem des zeitlichen Verlaufs unterschiedlich interpretiert werden mussen. Beim zeitlichen Verlauf wird der TBI auf der x-Achse dargestellt und bei den einzelnen Jahren auf der y-Achse. „Ich finde es, so wie es beim Verlauf dargestellt ist, fast übersichtlicher. Weil, wenn ich mir eine Menge vorstelle, dann wächst die von unten nach oben und nicht unbedingt von links gegen rechts“ (Interview B07:250). Abbildung 23. Werte in den Tooltips der Signal- und Aktionswerte wurden mit dem eigenen Verbrauch verwechselt. Aus BLV. (n. d.). ABIDAT. Verfügbar unter: https://abidat.identitas.ch/welcome SUS Wie in Tabelle 2 ersichtlich, reichen die Ergebnisse des SUS von 60 bis 85 Punkten. Ausgehend davon, dass gemäss Sauro und Lewis (2016) ein SUS-Score von 68 mit einer Standardabweichung von 12.5 den generellen Durchschnitt kennzeichnet, erzielten keine Personen einen Wert unter diesem Bereich. Testperson B01 erzielte mit 85 Punkten einen überdurchschnittlichen SUS-Score. Der Durchschnitt des SUS-Scores der sieben Testpersonen ist M = 73.6. Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 36 Tabelle 2 Ergebnisse des SUS N = 7 M B01 B02 B03 B04 B05 B06 B07 SUS-Score 85 67.5 60 80 62.5 82.5 77.5 73.6 Sauro-Lewis-Skala A+ C D A- D A B+ B- Perzentile 96-100 41-59 15-34 85-89 15-34 90-95 80-84 65-69 In Tabelle 3 ist ersichtlich, wie oft jede Abstufung der Antwortskala pro Item beantwortet wurde. Bei den Antworten zu Items 4,5 und 8 waren sich die Testpersonen relativ einig. So waren sie der Meinung, dass die Funktionen von ABIDAT gut integriert sind und dass das Produkt nicht umständlich zu benutzen ist. Ausserdem gingen sie nicht davon aus, dass sie die Unterstützung einer technisch versierten Person benötigen, um ABIDAT nutzen zu können. Etwas weniger Einigkeit herrschte bei Item 2,3,6 und 10. Zu Items 2 und 3 äusserten sich zwei Personen bezüglich der Komplexität der Diagramme auf ABIDAT. Testperson B03 formulierte dies wie folgt: „Es zeigt mir ja schon links und rechts an, worum es geht, aber ob man es wirklich immer versteht, ich glaube, das muss man wie lernen, damit man weiss, wie man diese Grafiken liest, oder?“ (Interview B03:241). Obwohl Item 6 mehrheitlich positiv bewertet wurde, gab es drei Bemerkungen zu Inkonsistenzen, die auf ABIDAT beobachtet wurden. Testperson B07 berichtete, dass sie mit dem Begriff Nutzungskategorie nicht vertraut sei, sondern eher den Begriff Nutzungsart kenne. B01 hingegen liess verlauten, dass in der Praxis von Abgaben gesprochen wird, an Stelle von Verschreibungen. Eine weitere Inkonsistenz wurde von Testperson B06 identifiziert. Die Person erkannte, dass sich das Format der Datumseingabe im übergeordneten Tab Verschreibungen von dem im übergeordneten Tab Verlauf unterscheidet. Anders als bei den Verschreibungen muss das Datum im Verlauf im amerikanischen Format JJJJ-MM eingetragen werden. Die grössten Varianzen verzeichneten die Antworten der Items 1 und 7. Obwohl bei Item 7 die Mehrheit der Meinung war, dass die meisten Leute tendenziell schnell lernen würden, ABIDAT zu verwenden, vermuteten Testpersonen B07 und B03, dass dies möglicherweise nicht in jedem Fall zutreffe und gewisse Personen eventuell mehr Zeit bräuchten, um sich auf ABIDAT zurechtzufinden. Testperson B03 dachte dabei an die verschiedenen Diagramme von ABIDAT: „Ich kann mir vorstellen, jemand, der noch etwas älter ist als ich, schnallt es noch weniger. Ja, ich glaube, man muss diese Grafiken und Zahlen lesen können, damit sie einem etwas bringen“ (Interview B03:239). Zu Item 1 vertraten Testpersonen B02 und B03 klar die Meinung, dass ihr Antibiotikaverbrauch zu Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 37 gering sei, damit sie ABIDAT häufiger verwenden würden. Obschon auf den Betrieben von Testpersonen B01 und B04 Antibiotika zum Einsatz kommen, haben sie kein Bedürfnis, ABIDAT häufiger zu verwenden. Während B01 den Nutzen von ABIDAT nicht erkannte, liess B04 verlauten, dass er sich allgemein nicht oft mit der Thematik befasse und deshalb kein Bedürfnis habe, das Produkt zu nutzen. Testpersonen B05, B06 und B07 konnten sich vorstellen, ABIDAT zukünftig für Analysezwecke sporadisch zu verwenden. „Solche Statistiken mache ich meistens einmal im Jahr und ich denke, ich werde künftig diese auch dazu nehmen“ (Interview B06:270). Tabelle 3 Anzahl der Antworten pro Abstufung der Skala für jedes Item des SUS 1 2 3 4 5 Stimme überhaupt nicht zu Stimme voll und ganz zu 1. Ich denke, dass ich dieses Produkt häufig verwenden möchte 1 4 1 1 0 2. Ich fand das Produkt unnötig komplex 2 3 2 0 0 3. Ich dachte, das Produkt war einfach zu bedienen 0 0 3 3 1 4. Ich denke, dass ich die Unterstützung einer technischen Person brauche, um dieses Produkt nutzen zu können 6 1 0 0 0 5. Ich fand, die verschiedenen Funktionen in diesem Produkt waren gut integriert 0 0 0 6 1 6. Ich dachte, dass dieses Produkt nicht konsistent genug war 3 3 1 0 0 7. Ich würde mir vorstellen, dass die meisten Leute sehr schnell lernen würden, dieses Produkt zu benutzen 0 1 1 4 1 8. Ich fand dieses Produkt sehr umständlich zu benutzen 4 3 0 0 0 9. Ich habe mich sehr selbstsicher gefühlt, dieses Produkt zu verwenden 0 0 3 4 0 10 Ich musste eine Menge Dinge lernen, bevor ich mit diesem Produkt loslegen konnte 3 3 1 0 0 Post-Test-Interview Die folgenden Aussagen wurden im Anschluss an die Usability-Tests entnommen und geben tiefere Einblicke in die Gedanken und Eindrücke, die die Testpersonen von ABIDAT und dem Thema Antibiotika haben. Testaufgaben. Die Testpersonen wurden gefragt, ob die gestellten Testaufgaben auch in der Praxis zur Anwendung kommen könnten. Dies wurde von den Testpersonen mehrheitlich bejaht. B05 bezweifelte jedoch, dass TierhalterInnen ein Bedürfnis haben, auf ABIDAT nach spezifischen Wirkstoffen zu suchen. Anders sah dies Testperson B06: „Ähm, wahrscheinlich schon. Man sollte ja die Wirkstoffe von Zeit zu Zeit abwechseln, dass man nicht immer mit demselben Wirkstoff kommt“ (Interview B06:89). B06 führte aus, dass aufgrund von Lieferschwierigkeiten die Bezeichnungen der Präparate stetig wechseln und es deshalb nützlich sei, dass auf ABIDAT die Wirkstoffe eingesehen werden können. Kolumnentitel: VERBESSERUNG DER USER EXPERIENCE VON ABIDAT 38 Meinungen zu Funktionen. Vier der sieben Testpersonen äusserten sich positiv darüber, dass auf ABIDAT die Möglichkeit besteht, den eigenen Antibiotikaverbrauch den Vergleichsdaten gegenüberzustellen. Testperson B06 äusserte sich wie folgt dazu: „Aber ich habe das Gefühl, man muss etwas machen, weil sonst läuft man in einen Hammer hinein und es ist gut, wenn man ein Tool hat, das einem diese Möglichkeit bietet“ (Interview B06:323). B07 geht hingegen nicht davon aus, dass viele TierhalterInnen ein Bedürfnis haben, ihren Antibiotikaverbrauch anhand von Vergleichswerten zu untersuchen. Testpersonen B01, B06 und B04 verkündeten, dass sie es schätzten, dass man den Antibiotikaverbrauch über einen zeitlichen Verlauf auswerten kann. B04 erklärte, dass dadurch saisonale Entwicklungen überwacht werden können. Er führt aus, dass wenn man beispielsweise im Sommer mehr Medikamente braucht, man dadurch Rückschlüsse ziehen- und Massnahmen ergreifen kann, um den Medikamenteneinsatz wieder zu reduzieren. Testperson B02 ging spezifischer auf die Filterfunktion im übergeordneten Tab Verschreibungen ein. „Ja, also das hat mich eigentlich nicht so dumm gedünkt, also mit dem Filter. Also, dass du dann mit dem Filter arbeiten kannst“ (Interview B02:197). Eingeschätzte Zielgruppe. Die Testpersonen wurden gefragt, welche Personen sie als die Zielgruppe von ABIDAT vermuten. Generell vermuteten die Testpersonen, dass das Bedürfnis, ein Produkt wie ABIDAT zu verwenden, mit einem erhöhten Antibiotikaverbrauch einhergeht. Gemäss den befragten Personen spielen dabei die Grösse des Betriebs und die Anzahl der Tiere eine Rolle. Je mehr Tiere gehalten werden, desto mehr Antibiotika kommen zum Einsatz. Betriebe, die gemäss den befragten Personen das grösste Bedürfnis haben, ABIDAT zu verwenden, sind Mastbetriebe, Milchviehbetriebe, Grossbetriebe, Haltungen von Geflügel, Poulet und Schweinen. Misstrauen. Die Aussagen von Testpersonen B01 und B04 liessen ein gewisses Misstrauen gegenüber den Intentionen von