40 Schulblatt Nummer 13/21 40 Schulblatt Nummer 19/23 Im Rahmen von virtuellen Sprachaustauschen können mit digi- talen Medien authentische und adressatengerechte Gesprächs- und Kollaborationsanlässe zwischen Klassen kreiert werden, die der Verständigung der Sprachregionen dienlich sein können. Digitaler Sprachaustausch an Sekundarschulen In einem vom Bundesamt für Kultur finanzierten zwei- jährigen Entwicklungsprojekt stand die Erprobung von Unterrichtsmodulen im Zentrum, in welchen Nordwest- schweizer mit Westschweizer Sekundarklassen digital zu- sammenarbeiteten. Dabei wurden unter anderem Videos zur Vorstellung der eigenen Person gedreht, ein Lern- journal geführt, Blog-Beiträge erstellt sowie Chat- und Videokommunikationen durchgeführt. Die schriftliche Online-Befragung der Nordwestschweizer Schülerinnen und Schüler, die am ersten Erprobungslauf teilgenommen haben (N=57), zeigte, dass bei sämtlichen digitalen Lern- aktivitäten stets mindestens 60 Prozent der Meinung sind, dass diese ihnen sehr viel oder eher Spass gemacht haben. Daneben sind ebenfalls mehr als 60 Prozent der Meinung, dass sie auf der Ebene der rezeptiven Kompetenzen Lern- fortschritte durch die digitale Kommunikation und Kol- laboration verzeichnen. Zugleich sind 48,6 Prozent der Überzeugung, dass sich ihr Wissen über die Westschweiz durch den digitalen Sprachaustausch vergrössert hat. Bei den Wünschen der Schülerinnen und Schüler für ihren zukünftigen Französischunterricht fällt auf, dass insbe- sondere die Arbeit mit einer Lernplattform (59,6 Prozent) sowie die Erstellung von Videos (70,2 Prozent) auf grosse Zustimmung stossen. Video-Calls helfen beim freien Sprechen Weiterhin sind folgende Umfrageergebnisse hervorzu- heben: 71,9 Prozent der Schülerinnen und Schüler sind der Meinung, dass sie durch die persönlichen Video-Do- kumente ihre Partnerschülerinnen und -schüler besser kennengelernt haben; 64,9 Prozent finden, dass ihnen die Video-Dokumente den ersten Kontakt erleichtert ha- ben; 63,2 Prozent sind der Ansicht, dass ihnen die Video- besprechungen geholfen haben, das freie Sprechen in der Zielsprache zu üben, 61,4 Prozent geben an, dass das Chat- ten mit den Partnerschülerinnen und -schülern eine gute Übung des zielsprachlichen Schreibens ist und die Hälfte ist der Ansicht, dass in Videobesprechungen das Sprechen in der Zielsprache leichter fällt als in realen Aufeinander- treffen. Didaktische Sinnhaftigkeit ist wichtig Diese exemplarischen Ergebnisse verdeutlichen, dass die Schülerinnen und Schüler zwar den Mehrwert digitaler Kommunikation für das Praktizieren der Zielsprache se- hen. Allerdings stellt die Videokommunikation die Fremd- sprachenlernenden offensichtlich vor ähnliche sprach- liche, motivationale und emotionale Herausforderungen wie die Face-to-face-Kommunikation. Aus diesem Grund können eine sprachliche und inhaltliche Vorbereitung von Videobesprechungen sowie die Bereitstellung von funktionalem und thematischem Hilfsvokabular eine be- deutende kommunikative Entlastung mit sich bringen. Darüber hinaus führen die Meinungen der Schülerinnen und Schüler vor Augen, dass die Auswahl von Tools und die Durchführung digitaler Aktivitäten über den Faktor «Spass» hinaus gehen müssen, und stattdessen die didak- tische Sinnhaftigkeit sowie der lernförderliche Charakter leitende Kriterien darstellen sollten. Dieser Punkt ver- weist direkt auf die Notwendigkeit, den zielführenden Einsatz digitaler Medien im Fremdsprachenunterricht systematisch innerhalb des Studiums angehender Lehr- personen in Fachdidaktik-Modulen sowie im Rahmen von Weiterbildungen für erfahrene Fremdsprachen-Lehrper- sonen zu thematisieren und zu reflektieren. CARINE GREMINGER SCHIBLI JAN-OLIVER EBERHARDT Professur Didaktik der romanischen Sprachen und ihre Disziplinen, Institut Sekundarstufe I und II, PH FHNW Video-Calls und Chats können im Französischunterricht gewinnbringend eingesetzt werden. S ym b o lb ild : A d o b e S to ck