CHANCENGLEICHHEIT Chancengleichheit, Gerechtig- keit oder das gute Leben? 2018-5 Menschen und Dinge sind gleich und verschieden. Wie genau ist Gleichheit Jg. 44 zu verstehen? Menschen werden zwar als verschieden wahrgenommen, S. 5 - 11 gleichzeitig gilt aber die Annahme, dass alle Menschen als gleichwertig zu sehen sind, als wichtige Grundlage unseres Zusammenlebens. Chancen- gleichheit bildet einen wichtigen Pfeiler einer sozial gerechten Gesell- schaft. Wie genau ist Chancengleichheit zu definieren und theoretisch einzuordnen? Rawls Konzeption von fairer Chancengleichheit sowie der Capability Approach bilden wichtige Bezugspunkte für diese Überlegungen. Am Schluss stellt sich die Frage: Geht es um Chancengleichheit oder um das gute Leben, oder um beides? SONJA HUG Prof., Dozentin, Institut Soziale Arbeit und Gesundheit, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW, Riggenbachstrasse 16, CH-4600 Olten, sonja.hug@fhnw.ch CHRISTOF ARN Prof. Dr. Dr., Cresta 6, Graubünden, CH-7412 Scharans, www.agiledidaktik.ch, christof.arn@ethikprojekte.ch Faktische Ungleichheit als Aus- Gleichheit, Unterschied und Un- kunft («gleiche Eltern»), das Geschlecht gangspunkt der Diskussion gleichheit («beide sind Männer») oder auch ein be- In Bern und Lausanne sterben Männer Ein wichtiger Ausgangspunkt in der stimmtes Verhalten (Cannabiskonsum) in Quartieren mit einem tiefen sozioöko- Debatte um Chancengleichheit sind sein. Welches «Tertium» Beachtung nomischen Status durchschnittlich 4,5 Überlegungen rund um Gleichheit und verdient, muss immer bestimmt werden Jahre früher und Frauen 2,5 Jahre früher Ungleichheit. Wesentlich ist: alles ist und kann auch Gegenstand von sozialen als in jenen Quartieren mit einem hohen in der realen Welt ungleich (basal und Auseinandersetzungen sein (Miller 2008: sozioökonomischen Status. (BAG 2018). immer wieder zitiert: Dann 1975): Keine 284). Eine momentan gesellschaftlich Diese Unterschiede lassen sich empi- zwei Menschen oder Situationen sind präsente Auseinandersetzung ist die- risch feststellen. Wie aber die empirisch «gleich». Nicht einmal eineiige Zwil- jenige über gleichen Lohn für gleiche festgestellten Fakten zu bewerten sind linge sind gänzlich gleich. Wenn man Arbeit. Tragen Pflegende die gleiche Ver- – ob es in Ordnung ist, dass es so ist, wie dieser Tatsache zustimmt, dann stellt antwortung wie Polizisten? Sind diese es ist – ist eine normative Frage. Nicht sich die Frage: Wofür kann man das beiden Arbeiten gleich zu bewerten oder selten wird genau diese normative Frage Wort «gleich» überhaupt benutzen? Die ist Pflege doch weniger gefährlich und nicht explizit beantwortet. Normative Antwort lautet: Nicht, um Dinge oder soll deshalb auch weniger gut entlohnt Fragen sind ein zentraler Gegenstand Menschen als Ganze als «gleich» zu be- werden? Ist das Tertium «Gefährlich- der Ethik. Mit ethischen Überlegungen zeichnen, sondern um Dinge in einer be- keit» ausschlaggebend für den Lohn oder und Theorien lassen sich Fragen wie: stimmten Hinsicht als gleich zu bezeich- «Verantwortung» oder «körperliche An- Ist es gerecht, dass es so ist? Wie sieht nen (Krebs 2000: 10). «Gleich» sind strengung»? In welcher Hinsicht müssen eine gerechte Gesellschaft aus und ist sie also zwei Dinge, Lebewesen, Menschen Arbeiten gleich sein, damit gleicher Lohn überhaupt anzustreben? beantworten. stets nur in Hinblick auf etwas – dieses angemessen erscheint? Die Antwort fällt je nach beigezogener «etwas» wird als «Tertium Compara- Wenn Menschen oder Dinge nicht in Theorie unterschiedlich aus. Im Folgen- tionis» bezeichnet, als «Drittes», das jeder Hinsicht gleich sind, dann sind sie, den legen wir einige zentrale ethische hinzukommen muss, um zwei Dinge zu logischerweise, in vieler Hinsicht unter- Überlegungen rund um die Thematik der vergleichen: ein Vergleichspunkt. Dieser schiedlich. Sie haben unterschiedliche Chancengleichheit dar. Vergleichspunkt kann die familiäre Her- Haarfarben, sprechen unterschiedliche 5 CHANCENGLEICHHEIT Sprachen etc. Längst nicht alle Unter- Preis (Kant 1983). Ein Mensch mit einer teilt werden? Wer soll weshalb wie viel schiede werden als Ungleichheit be- Suchterkrankung ist nicht weniger ach- von etwas bekommen? Soll auf Basis zeichnet. Verschiedene Körpergrössen tenswert als Roger Federer mit einem von Leistung verteilt werden? Oder soll von Kindern in einer Schulklasse werden Millioneneinkommen und einem über- im Zentrum der Verteilung das Bedürf- als Unterschiede bezeichnet, nicht als ragenden Talent. Diese Gleichheit aller nis der Einzelnen, also deren Hunger Ungleichheiten. Hingegen wird die Tat- Menschen in Bezug auf Ihre Würde und stehen? Nicht nur Güter, also bspw. Ku- sache, dass Kinder auf Grund ihrer Her- ihre Rechte verlangt von uns allen, dass chen, müssen verteilt werden, sondern kunft unterschiedliche Chancen haben, wir Menschen in ihrer Verschiedenheit auch Nachteile, bspw. Lärmbelastungen. einen höheren Bildungsabschluss zu dennoch als gleichwertig sehen (Nuss- Der Gerechtigkeitsbegriff kann, je nach erreichen, oft nicht primär als Unter- baum 1999). Sie verpflichtet den Staat, Definition, neben Verteilungsaspekten schied, sondern als Chancenungleichheit Menschen als Trägerinnen und Träger weitere Dimensionen bezeichnen. Bspw. bezeichnet. Unterschiede bezeichnen von Rechten zu behandeln und nicht als den Tausch von Gütern oder die Be- Verschiedenheiten, die sozial nicht re- Objekte. Neben der gegenseitigen An- lohnung von Leistung, beides praktisch levant sind, Ungleichheiten hingegen erkennung als Gleiche, die wir uns als relevant in der Frage nach der gerechten sind sozial relevant und werden sozial Menschen schulden, sehen einige Auto- Entlohnung von Arbeit. Wer also von hergestellt (Ritsert 2009: 148-150). In rInnen Strukturen, die die Selbstachtung Gerechtigkeit spricht, muss definieren, wie weit eine Ungleichheit als ungerecht nicht untergraben, als zentral in Bezug was er oder sie unter Gerechtigkeit bezeichnet wird, ist eine normative Ent- auf die Menschenwürde. Nur wenn Men- genau versteht. Wie genau soll verteilt scheidung und nur zu beantworten unter schen in Strukturen und Verhältnissen werden? Wie genau soll verteilt werden? Bezugnahme auf konkrete Gerechtig- ihr Leben führen können, die ihnen er- – das ist dabei eine der Fragen, die sich keitsvorstellungen. So stellen Weber/Sa- möglichen, sich selber zu achten, kann stellen. Welcher Verteilmodus und wel- lis Gross in ihrem Artikel in diesem Heft von menschenwürdigen Verhältnissen cher Endzustand als gerecht bewertet Beispiele gesundheitlicher Ungleich- gesprochen werden. (Schaber 2016: 259; werden, kann sich je nach Argumenta- heiten vor, von denen einige nicht ge- Sen 2000). tion unterscheiden. Wenn von Chancen- rechtigkeitsrelevant sind, weil es sich um Ungleichheiten in einer Gesellschaft gerechtigkeit die Rede ist, dann sollte klare biologische Unterschiede handelt. können durchaus dazu führen, dass definiert werden, welcher Zustand damit Andere müssen als klar sozial hergestellt Menschen ihrer Selbstachtung beraubt gemeint ist. Unterschiedliche Definitio- bezeichnet werden und sind, wenn bspw. werden (Margalit 2000: 108). Wenn be- nen sind denkbar. Vielleicht wird mit die Gerechtigkeitsvorstellung besteht, stimmte Bevölkerungsgruppen unter Chancengerechtigkeit eine Sockelgerech- dass alle Menschen in der Schweiz die höherer Umweltbelastung leiden, weil tigkeit, ein Mass an Chancen, das allen gleichen Gesundheitschancen haben sol- sie an stark befahrenen Strassen wohnen zustehen soll, ein humanes Minimum, len, klar gerechtigkeitsrelevant. und keine Möglichkeit haben wegzuzie- bezeichnet. Chancengerechtigkeit kann hen, wenn Menschen massiven gesund- aber auch meinen, dass allen Menschen Gleiche Würde heitlichen Belastungen am Arbeitsplatz die gleichen Möglichkeiten zur Entwick- Zwar sind Menschen faktisch sehr ver- ausgesetzt werden, ohne dass Schutz- lung, Erhaltung und Wiederherstellung schieden. Gleichzeitig ist die Gleichheit nassnahmen ergriffen werden, dann ist ihrer Gesundheit zustehen. Der gerechte aller Menschen eine zentrale normative das durchaus auch eine Frage der Men- Zustand ist dann der, in dem eben diese Setzung unseres Zusammenlebens. Diese schenwürde (Margalit 2000: 107-116; Gleichheit erreicht ist. In der Literatur normative, also unabhängig von den Schröder-Bäck 2012: 56). Menschen aus wird in diesem Fall sinnvollerweise dann Fakten gesetzte Gleichheit wird in der diesen benachteiligten Bevölkerungs- von Chancengleichheit gesprochen und allgemeinen Erklärung der Menschen- gruppen wird durch Gleichgültigkeit in nicht von Chancengerechtigkeit. Wird rechte von 1948 im ersten Abschnitt Bezug auf Ihre Lage und dadurch, dass der Begriff Chancengerechtigkeit ohne des ersten Artikels so formuliert: «Alle diese Ungleichheit toleriert wird, in- genaue Definition des gerechten Zustan- Menschen sind frei und gleich an Würde direkt vermittelt, dass sie weniger wert des verwendet, bleibt er unterbestimmt. und Rechten geboren» (AEMR Artikel 1). sind, als Mitglieder anderer Gruppen. Er schmückt sich dann quasi mit dem Damit wird eine zentrale Norm gesetzt Vor diesem Hintergrund fällt die Selbst- anzustrebenden Ziel Gerechtigkeit, ohne für unser Zusammenleben. Der Men- achtung schwer. Die Forderung nach klar zu machen, was darunter verstanden schenwürdebegriff kann unterschiedlich Chancengleichheit und die Bekämpfung wird. begründet und definiert werden (Scha- massiver sozialer Ungleichheit sind also ber 2012). Zentral in allen Konzeptionen nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, Soziale Gerechtigkeit ist aber die Idee, dass Menschen un- sondern auch eine der Menschenwürde. Von sozialer Gerechtigkeit spricht man, abhängig von Eigenschaften wie Haut- wenn man die Verteilung von Besitz- farbe, Geschlecht oder gesundheitlichen Gerechtigkeit tum, Chancen und anderen Gütern in Belastungen die gleiche Würde zusteht Um Gerechtigkeit geht es oft im Ver- einer bestimmten sozialen Grösse, ins- (Hug 2016a). Menschen haben, so drückt gleich von konkreten Personen und besondere in der Gesellschaft als Ganze, es Kant aus, eine Würde und keinen Situationen. Wie soll ein Kuchen ver- betrachtet: Ist es richtig, dass 2,1% der 6 SUCHTMAGAZIN ——— 05/2018 Schweizer Bevölkerung gleich viel besit- prozentual höhere Steuerbelastung bei Leben so zu gestalten, wie es meinen zen wie die restlichen 97,9%? (Lampart höherem Einkommen gewährleistet wer- Präferenzen, also Vorlieben und Ideen et al. 2016) oder wäre eine andere Vertei- den. Neben der ökonomischen Ausgegli- entspricht, beeinflusst direkt die Le- lung sozial gerechter? chenheit sind die den Mitgliedern einer bensqualität. Die Freiheit, Chancen Wie eine sozial gerechte Gesellschaft Gesellschaft zur Verfügung stehenden wahrzunehmen oder auszuschlagen, aussieht, ist nicht nur eine politische De- Chancen sowie deren Verteilung für eine unter unterschiedlichen Möglichkeiten batte. Die Voraussetzungen lassen sich sozial gerechte Gesellschaft von grosser auszuwählen, hat für Menschen einen bei allen Unschärfen, die sich in Bezug Bedeutung. intrinsischen Wert. Menschen möchten auf die genaue Ausgestaltung ergeben nicht nur, dass ihre Grundbedürfnisse können, durchaus theoretisch näher Chancen gedeckt sind, sie möchten ihr Leben bestimmen. So legen bspw. John Rawls Mit dem Begriff Chance wird laut Duden auch selber gestalten und eine Wahl (2017) aber auch Marta Nussbaum (1999; eine Möglichkeit, etwas zu erreichen haben (Sen 2000). Dabei geht es nicht 2015) und Amartya Sen (2000) fundierte oder auch eine bestimmte Gelegenheit, primär um die Möglichkeit, zwischen 20 Überlegungen bezüglich der Gestaltung die es zu nutzen gilt, bezeichnet. Den Joghurtsorten auszuwählen, sondern um einer dem sozialen Ausgleich verpflichte- Chancen innewohnend ist, dass sie nicht Möglichkeiten der Berufswahl, Möglich- ten, fairen, sozial gerechten Gesellschaft immer optimal genutzt werden können. keiten, die eigene Meinung zu äussern, vor. Die Grundlage ihrer Konzeptionen Chancen können sich auf sehr unter- Möglichkeiten, die eigene Umgebung bilden die Postulate des bürgerlichen schiedliche Gegebenheiten beziehen. mitzugestalten. Welche Chance für wen Rechtsstaates: Gleichheit aller vor dem Die Fussballerin hat die Chance, durch wie wichtig ist, hängt u. a. auch von den Gesetz sowie die Freiheit im Sinne des einen Elfmeter ein Tor zu erzielen. Der persönlichen Lebensplänen und Vor- Rechtes aller, ihr Leben nach den eige- Nationalratskandidat hat die Chance, lieben der Einzelnen ab. Nicht jeder und nen Vorstellungen frei zu leben, solange gewählt zu werden. Ob die Chancen jede will ein politisches Mandat ausüben. sie nicht die Freiheit anderer einschrän- realisiert werden können, hängt von Aber überhaupt Chancen im Leben zu ken und das Zusammenleben gefährden. verschiedenen Faktoren ab, die in unter- haben, ist ein wichtiger Bestandteil eines Ebenfalls zentral ist die politische Teil- schiedlichem Masse durch die Einzelnen Lebens in Freiheit. Wie staatliche Struk- habe. Diese Postulate alleine machen beeinflusst werden können. Die Fussbal- turen die Chancenverteilung regulieren, allerdings noch keine Orientierung an lerin kann sich zwar auf die Situation des sagt etwas aus über die Gerechtigkeit sozialer Gerechtigkeit aus. Sie müssen Elfmeterschiessens vorbereiten, sie wird dieser Strukturen. Wie in einer Gesell- ergänzt werden durch Chancengleichheit aber selbst bei idealer Vorbereitung und schaft Chancen verteilt sind, lässt Rück- sowie ökonomische Ausgewogenheit und langem Training nicht garantieren kön- schlüsse zu auf das Mass an sozialer Ge- damit verbundene Umverteilung (Koller nen, auf jeden Fall das Tor zu schiessen. rechtigkeit, das realisiert ist. Wir werden 2016: 122-123). Dabei ist mit ökonomi- Die Situation wird nicht alleine durch sie zwei unterschiedliche wichtige Konzep- scher Ausgewogenheit nicht eine öko- bestimmt, im Tor steht noch die Torwar- tionen von gesellschaftlichen Chancen nomische Gleichstellung aller gemeint. tin. Genauso wird der Nationalratskan- kurz erläutern. Beide spielen in der Dis- Welche Spannbreite an ungleicher Ver- didat zwar einiges zur Erhöhung seiner kussion rund um Chancengleichheit eine teilung noch als sozial gerecht bezeich- Wahlchance beitragen können, bspw. wichtige Rolle. net werden kann, ist auch Gegenstand durch originelle Wahlwerbung, schluss- politischer Auseinandersetzungen. Klar endlich aber liegt es eben nicht alleine Chancengleichheit und Verwirkli- ist, dass Massnahmen zur Beschränkung in seiner Hand, ob er gewählt wird oder chungschancen der Ungleichheit in Bezug auf Vermögen nicht. Chancen sind also keine Garantien Hinter der Idee der Chancengleichheit, in der Konzeption eines sozial gerech- für ein bestimmtes Ergebnis, sondern wie sie im Kontext gesundheitlicher ten Staates unabdingbar sind. Rawls «nur» die Möglichkeit, es zu erreichen. Chancengleichheit oder gleicher Bil- sieht hierfür u. a. ausdrücklich eine Chancen müssen auch nicht zwangsläu- dungschancen vertreten wird, steht häu- Erbschafts- und Vermögenssteuer vor fig wahrgenommen werden. Zur Chance fig die Idee von Rawls, die faire Chancen- (Rawls 2017: 309f). Eine Möglichkeit, um gehört, dass ich sie, aus welchen Grün- gleichheit bei der Gestaltung gerechter festzustellen, welche ökonomischen Un- den auch immer, verpassen oder aus- staatlicher Strukturen ins Zentrum stellt terschiede noch tolerierbar sind, ist die schlagen kann. In diesem Sinne hängen (Rawls 2017). Amartya Sen hat die stark Idee, dass diese Unterschiede so beschaf- Chancen und Freiheit zusammen. Ge- durch ökonomische Kennzahlen wie fen sein müssen, dass die ökonomisch rechtigkeitsfragen stellen sich insbeson- Bruttosozialprodukt oder Durchschnitts- schlechter gestellten Gesellschaftsmit- dere dann, wenn bestimmte Personen- einkommen geprägte Armutsforschung glieder davon profitieren. «Der intuitive gruppen ohne eigenes Zutun bestimmte verändert. Nicht diese Zahlen seien Gedanke ist der, dass die Gesellschafts- Chancen von vornherein nicht haben. zentral, wenn es darum geht, Armut und ordnung nur dann günstigere Aussichten Reichtum zu bestimmen, sondern die für Bevorzugte einrichten und sichern Chancenhaben als Freiheit realen Chancen auf ein Leben in Würde. darf, wenn das den weniger Begünstig- Noch in einem anderen Sinne hängen Das Konzept des Capability Approach ten zum Vorteil gereicht.» (Rawls 2017: Chancen und Freiheit zusammen. Die stellt nicht die staatlichen Strukturen 96). Dieser Vorteil kann bspw. durch Menge der Chancen, die ich habe, mein ins Zentrum, sondern die Situation 7 SUCHTMAGAZIN ——— 05/2018 der Menschen und ihre Möglichkeiten, führung einer Quote für Menschen, die der Chancengleichheit eng verknüpft mit Chancen auch zu nutzen (Nussbaum nicht zu der benachteiligten und durch der Idee einer Leistungsgesellschaft, in 2015; Sen 2000). Soziale Institutionen, eine Quote geförderte Gruppe gehören, welcher der Tüchtigen, dem Tüchtigen die sich am Capability Approach ausrich- sinken. Dieser individuelle Nachteil die Welt gehören soll und Anstren- ten, sollten das Ziel haben, Menschen, rechtfertigt sich durch das Ziel, eine fai- gungen belohnt werden. KritikerInnen die Ihre Dienste in Anspruch nehmen rere Chancengleichheit und damit auch werfen ein, dass es durchaus auch eine dahingehend zu unterstützen, dass sich eine sozial gerechtere Gesellschaft zu andere Sichtweise auf Chancen geben Ihre Verwirklichungschancen erhöhen erreichen. könnte. Weshalb sollen Menschen nicht und sie eine reale Wahl haben in ihrer unabhängig von ihren Anstrengungen Lebensgestaltung. Faire Chancengleichheit und ihren Entscheidungen einen An- Denn formale Chancengleichheit greift spruch auf Chancen zu einem guten Formale Chancengleichheit im Hinblick auf soziale Gerechtigkeit zu Leben oder zu Wohlergehen haben? Ist Das Minimalprinzip der Chancengleich- kurz, weil sie ausblendet, dass der Weg es tatsächlich dem guten Leben und Zu- heit ist jenes, das besagt, dass attraktive hin zur Möglichkeit, sich auf eine attrak- sammenleben zuträglich, wenn vor allem Positionen für alle dafür qualifizierten tive Stellung – also Arbeitsstelle, Amt die Anstrengungen hin zu einer Position Personen offenstehen sollten (Meyer etc. – bewerben zu können, bereits von oder zu mehr Erfolg belohnt werden? Ist 2016: 164). Unter attraktiven Positionen gerechtigkeitstheoretischer Bedeutung es gerecht, wenn die Folgen des indivi- werden Ämter, aber auch Arbeitsstellen ist. Ob Menschen überhaupt finanziell duellen Scheiterns primär den Einzelnen oder Ausbildungsplätze verstanden. in der Lage sind, eine längere Weiter- aufgebürdet werden? Berechtigte Fra- Werden Menschen auf Grund einer bildung zu absolvieren, beeinflusst, ob gen, die sich rund um die Diskussion zu Eigenschaft, z. B. einer Suchterkrankung sie die notwendige Qualifikation errei- Gleichheit, Egalitarismus und zu Chan- nicht zu einer Ausbildung zugelassen, chen können, die es für eine bestimmte cengleichheit als Gerechtigkeitskonzept obwohl sie die dafür notwendige Quali- Arbeitsstelle braucht. Ob ich über eine stellen (Krebs 2000). fikation und Eignung mitbringen, dann befriedigende Arbeit und genügend Zeit verstösst dies gegen das Prinzip der for- für Entspannung und Bewegung verfüge, Verwirklichungschancen malen Chancengleichheit. Die Forderung beeinflusst meinen gesundheitlichen Zu- Das Konzept der Chancengleichheit nach formaler Chancengleichheit drückt stand genauso wie der formale Zugang nach Rawls stellt die Belohnung von in positiver Weise das aus, was das Dis- zum Gesundheitswesen. Aus diesem Anstrengung, die Möglichkeit, das kriminierungsverbot ebenfalls benennt. Grund spricht Rawls von der fairen eigene Talent und die eigenen Fähig- Menschen dürfen nicht aufgrund von Chancengleichheit als Ziel einer gerech- keiten auch einbringen zu können und Unterschieden, die keine Rolle spielen, ten Gesellschaft (Rawls 2017). Die Idee dafür entsprechende Belohnung zu er- für die Besetzung der jeweiligen Positio- der fairen Chancengleichheit lässt sich halten, ins Zentrum. Im Konzept der nen oder beim Zugang zu Institutionen am besten anhand des Bildungszugangs Verwirklichungschancen steht nicht die des Bildungs- oder Gesundheitswesens erläutern. Fair sind Bildungschancen erst Gerechtigkeit als Gleichheit der Chan- ausgeschlossen werden. Gleichzeitig ist dann, wenn alle mit den gleichen indi- cen, sondern die Frage nach dem guten mit dem Konzept der formalen Chancen- viduellen Voraussetzungen, die gleichen Leben im Zentrum. (Nussbaum 1999). gleichheit allerdings nicht das Recht auf Möglichkeiten haben, sich zu qualifizie- Es wird dann nicht mehr primär gefragt, eine bestimmte Arbeitsstelle verbun- ren. Kinder mit Elternteilen, die über ob die staatlichen Strukturen Chancen- den, sondern vielmehr ausschliesslich eine universitäre Ausbildung verfügen, gleichheit ermöglichen, sondern: Welche die Möglichkeit, sich für diese in einem dürften dann in den Gymnasien nicht realen Verwirklichungschancen haben fairen Auswahlverfahren zu bewerben. mehr stark übervertreten sein. Faire die konkreten Menschen in einer Ge- Interessant ist die ethische Frage, inwie- Chancengleichheit ist erreicht, wenn so- sellschaft tatsächlich? Es geht um «die weit Quotenregelungen, bspw. in Bezug ziale Faktoren für die Aussichten auf das Möglichkeiten oder umfassenden Fähig- auf das Geschlecht, nicht der formalen Erreichen attraktiver Positionen keine keiten («Capabilities») von Menschen, Chancengleichheit widersprechen. Rolle mehr spielen (Meyer 2016: 165). ein Leben führen zu können, für das sie Sie limitieren ja unter Umständen die sich mit guten Gründen entscheiden Chancen der einzelnen Bewerber. Die Faire Chancengleichheit und Leis- konnten, und das die Grundlagen der eine Position sieht in Quoten eine Mass- tungsgesellschaft Selbstachtung nicht in Frage stellt» (Sen nahme, die benachteiligten Gruppen Chancengleichheit, wie sie Rawls ver- 2000: 29). Neben der Gerechtigkeit wird überhaupt erst Chancen eröffnen. Durch steht, ist stark fokussiert darauf, dass hier zentral das Recht auf ein Leben in eine Quote werden, so die Idee, Be- Anstrengungen von Menschen sich auch Würde eingeführt. Die Verwirklichungs- nachteiligungen ausgeglichen, die durch lohnen sollen. Nicht Herkunft oder Zu- chancen schliessen alle bei der formalen Vorurteile oder bestehende informelle gehörigkeit zu einer Gruppe sollen zum Chancengleichheit genannten Elemente Netzwerke entstehen. Die konkrete Erfolg führen, sondern Leistung und wie den Zugang zum Gesundheits- und individuelle Chance kann durch die Ein- Talent. In diesem Sinne ist sein Konzept Bildungswesen, die ökonomischen Chan- 9 CHANCENGLEICHHEIT cen, den Zugang zum Arbeitsmarkt ein. Capability Approach aus, dann steht oder wer Fehler macht, soll mindestens Sen nennt zusätzlich – weil er als Ent- nicht die Chancengleichheit im Zentrum, noch Zugang zu einem Sockel an Ver- wicklungsökonom die verheerenden Fol- sondern die Erhöhung der Verwirkli- wirklichungschancen haben. So sind die gen von ökologischer Zerstörung auf die chungschancen. Gerade von Armut be- Kürzung von Leistungen der sozialen Menschen gesehen hat – ökologische Si- troffene Personen und sozioökonomisch Krankenversicherung auf Grund von cherheit als eine Bedingung von Verwirk- benachteiligte Bevölkerungsgruppen gesundheitsschädigendem Verhalten lichungschancen. Ebenso betont er die können durch die Vermehrung der Ver- schwer vereinbar mit der Idee der Ver- Bedeutung eines Systems der sozialen wirklichungschancen profitieren. Auch in wirklichungschancen. Sicherung. Neben den gesellschaftlich der Suchtberatung ermöglicht der Blick bedingten Chancen, von Sen auch instru- auf Verwirklichungschancen neue Ziele. Gesundheit als zentrales Gut mentelle Freiheiten genannt, spielen die Nicht primär Integration in die Leis- Egal ob in der Theorie der Verwirkli- individuellen Potenziale der Einzelnen tungsgesellschaft ist das Ziel, sondern chungschancen oder in Rawls Theorie wie Einkommen, Gesundheitszustand, Erhöhung der Verwirklichungschancen, der gerechten staatlichen Strukturen Geschlecht etc. eine zentrale Rolle. Sie also Wahlmöglichkeiten im Leben. Dies und der fairen Chancengleichheit: Ge- bestimmen mit, wie gut Menschen die kann geschehen durch Interventionen sundheit ist in beiden Denkansätzen instrumentellen Freiheiten nutzen kön- auf der individuellen Ebene, wie durch ein zentrales Gut. Sie ist aber, das ist nen. Auch diese individuellen Potenziale Beratung und Unterstützung bei der An- wichtig festzuhalten, nicht das höchste werden, zumindest teilweise, gesell- eignung bestimmter Fähigkeiten, oder Gut (Hug 2016b). Gesundheit, verstan- schaftlich verteilt. auf der Ebene der instrumentellen Frei- den als psychische und physische Funk- heiten, also auf der strukturellen Ebene. tionsfähigkeit, ist eine Voraussetzung Leben in Würde Durch die Einführung einer Kulturlegi, für viele Aktivitäten und Möglichkeiten Der Capability Approach fokussiert auf die sozioökonomisch benachteiligten im Leben.1 Gleichzeitig ist Gesundheit die real existierenden Chancen. Je mehr Personen und Familien den Eintritt allerdings nicht die einzige Vorausset- und je unterschiedlichere Möglich- ins Museum und ins Schwimmbad ver- zung für ein gutes Leben und manchmal keiten einem Menschen realistisch zur günstigt, erhöhen sich deren Verwirkli- vielleicht sogar weniger wichtig als oft Verfügung stehen, desto grösser seine chungschancen. Werden Menschen mit angenommen. Gerade mit Blick auf Ver- Freiheit und desto eher ist zu erwarten, einer Suchterkrankung dahingehend wirklichungschancen lässt sich gut zei- dass er ein für ihn sinnvolles Leben füh- unterstützt, ihren Spielraum an Möglich- gen, dass Gesundheit zwar ein wichtiges ren kann. Sen lässt offen, wie viele und keiten auszuloten, werden ihnen neue individuelles Potenzial darstellt, dass welche Verwirklichungschancen mini- Möglichkeiten zur Gestaltung ihres aber für die Anzahl von Verwirklichungs- mal für ein gutes Leben vorhanden sein Lebens eröffnet, so erhöhen sich ihre chancen die Umgebungsbedingungen müssen. Martha Nussbaum hingegen Verwirklichungschancen. Dies erfordert genauso zentral sind. In einer Gesell- veröffentlichte eine Liste, in der sie zu mehr als den formalen Zugang zu glei- schaft, die Menschen mit psychischen beschreiben versucht, welche zentralen cher Gesundheitsversorgung. Gleichzei- Erkrankungen stigmatisiert und ihnen Möglichkeiten Menschen zur Verfügung tig ist der faire Zugang zu Gesundheits- mit Argwohn begegnet, gerade auch im stehen sollten, um ein gutes Leben füh- versorgung und Prävention aber eine Hinblick auf allfällige Rentenleistungen, ren zu können (Nussbaum 2015: 41-42), wichtige Voraussetzung. haben diese Menschen weit weniger ohne dass die Liste den Anspruch auf Verwirklichungschancen als in einer Abgeschlossenheit erhebt. Die Idee der Nicht nur die Tüchtigen Gesellschaft, die ihnen Akzeptanz und Verwirklichungschancen setzt auf die Im Konzept der fairen Chancengleich- Solidarität entgegenbringt. Rawls selbst Freiheit der Wahl. Wie Hannah Arendt heit steht die Gleichbehandlung im thematisiert vor allem den Zugang zur (2018) geht Sen davon aus, dass Men- Sinne der gleichen Chance, für Leistung Gesundheitsversorgung als wichtigen schen diese Freiheit um ihrer selbst belohnt zu werden, im Vordergrund. Der Aspekt von Chancengleichheit (Rawls willen schätzen. Diese Freiheit und ein Verwirklichungschancenansatz sieht das 2017). Norman Daniels hat auf Basis Leben in Würde sind zentrale Eckpunkte anders. Es ist, wie Anderson sagt, keine der Idee der sozialen Gerechtigkeit von im Konzept der Verwirklichungschancen «Wettlauftheorie» (Anderson 2000: Rawls eine Theorie zur Gerechtigkeits- hin zu einem guten Leben. 159). Vielmehr steht im Zentrum das frage im Kontext von Gesundheit ent- Garantieren eines Lebens in Selbstach- worfen. Seine zentrale Frage ist: Welche Nicht Chancengleichheit, tung auch dann, wenn Entscheidungen Formen gesundheitlicher Unterschiede sondern Erhöhung der realen Ver- und Verhaltensweisen vielleicht nicht sind gerechtigkeitsrelevant? Seine Ant- wirklichungschancen dazu angetan waren, die eigenen Chan- wort lautet kurz zusammengefasst: Richten sich Sozialarbeitende aber auch cen zu erhöhen. Auch wer scheitert Gesundheitliche Unterschiede können staatliche Präventions- und Gesund- nur dann als ungerecht bewertet werden, heitsförderungsprogramme nach dem wenn sie auf sozialer Ungleichheit be- 10 SUCHTMAGAZIN ——— 05/2018 Literatur Miller, D. (2008): Grundsätze sozialer Gerech- ruhen (Rauprich 2016: 92). Überall dort, Anderson, E. (2000): Warum eigentlich Gleich- tigkeit. Frankfurt am Main: Campus. wo gewisse Bevölkerungsgruppen über- heit? S. 117-171 in: A. Krebs (Hrsg.), Gleich- Nussbaum, M. (1999): Gerechtigkeit oder das heit oder Gerechtigkeit: Texte der neuen proportional von gewissen gesundheitli- gute Leben. Frankfurt am Main: Edition Egalitarismuskritik. Frankfurt am Main: chen Beeinträchtigungen betroffen sind, Suhrkamp.Suhrkamp. Nussbaum, M. (2010): Die Grenzen der Gerech- ist zu vermuten, dass nicht individuelle Arendt, H. (2018): Die Freiheit frei zu sein. tigkeit. 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(2016): SGB-Verteilungsbericht 2016. ziehende Argumentation stellt formale Allgemeine Erklärung der Menschenrechte: Schweizerischer Gewerkschaftsbund. www. und faire Chancengleichheit ins Zentrum www.tinyurl.com/y8cjauuutinyurl.com/y7a3n2vv, Zugriff: 20.08.2019. und richtet die Diskussion um Chan- Margalit, A. (2000): Menschenwürdige Gleich- cengleichheit daran aus, wie staatliches heit. S. 107-116 in: A. Krebs (Hrsg.), Gleich- Endnoten 1 heit oder Gerechtigkeit. Texte der neuen Der Gesundheitsbegriff kann unterschied- Handeln diese Forderungen erfüllen Egalitarismuskritik. Frankfurt am Main: lich definiert werden. So sieht die WHO eine kann. Richtet sich die Argumentation an Suhrkamp. Definition entlang von Wohlbefinden vor. den Verwirklichungschancen aus, so gilt Meyer, K. (2016): Chancengleichheit. S.164-167 Verfassung der Weltgesundheitsorganisa- in: A. Goppel/C. Mieth/Ch. Neuhäuser (Hrsg.), tion: www.tinyurl.com/o9dzmbp, Zugriff: es zu bestimmen, welche Chancen Men- Handbuch Gerechtigkeit. Deutschland: J.B. 21.09.18. Normen Daniels hingegen sieht schen brauchen, um ein Leben in Würde Metzler. Gesundheit primär als Funktionsfähigkeit. führen zu können und wie Strukturen aussehen, die realistischerweise ergreif- bare Chancen ermöglichen. Beide Kon- zeptionen setzen das Bekenntnis zum Ziel einer sozial gerechten Gesellschaft voraus. 11 12